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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
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ÖSTERREICH UND ÖSTERREICHER IN DEN TSCHECHISCHEN ENZYKLOPÄDIEN

volkskundlichen Daten. Verhältnismäßig ausführliche Informationen betreffs der Na-tionalitätenlage und des Nationalcharakters versammelte in den Artikeln über Steier-mark und Tirol der Gymnasialprofessor in Pardubice František Skočdopole( Skč.), derzusammen mit einem noch nicht identifizierten Tšr. die Bevölkerung in Tirol ein-schließlich der rätoromanischen und italienischen Minderheit demographisch undethnisch klassifizierte. Das Volk in Tirol und Vorarlberg bezeichnete er als stattlich undschön, habituell schlicht, doch tapfer, fleißig, geregelt und dem katholischen Glaubenvoll ergeben. Verschiedenartige Züge im physischen sowie psychischen Gepräge derPopulation und große Unterschiede in den sozialen Verhältnissen und der Lebensweise,die er mit Beispielen aus der Hausindustrie und des Handels mit Produkten derHausarbeit aus Holz und Textil nachgewiesen hat, erklärte er als Folge der Abgeschie-denheit der einzelnen Gegenden dieses Alpenlandes.22 Die Auffassung sowie auch derkonkrete Inhalt der Artikel über Österreich, seine Bewohner und Kultur erweist sichim Vergleich zu der obengenannten Rieger- Enzyklopädie als inhaltlich ärmer, immer-hin aber aktualisiert und moderner.

Die Beharrlichkeit mancher stereotyper Vorstellungen über die spezifischen Zügeder Österreicher bestätigen noch jüngere Arbeiten, z.B. das mehrteilige Handbuch derallgemeinen Völkerkunde, das der Gymnasiallehrer der Geschichte und Erdkunde inPrag, Jaroslav Vlach( 1852-1917), im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in einerEdition, die die zeitgenössischen Erkenntnisse popularisierte, herausgab. 23 In derzweiten, revidierten und erweiterten Gesamtausgabe nennt er unter den Nationen derösterreichisch- ungarischen Monarchie die österreichischen Deutschen, von denen erdie Österreicher unterscheidet, die nach dem Kontext die Bewohner von Nieder- undOberösterreich sein sollten, weiters die Obersteirer, Kärntner und Tiroler. Hauptsäch-lich bei den letzten schätzt er ihre hübsche Gestalt und Rüstigkeit, doch mit einemVorbehalt: In den Alpentälern haben die Männer und auch die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber auffällige Kröpfe( Strumen), also eine Hypertrophie der Schilddrüse, und in den hochgelegenen Tälernleben viele physisch behinderte und auch psychisch Kranke, taubstumme und schwach-sinnige Leute. Dessenungeachtet hat der Verfasser die Österreicher als gutherziges undgastfreundliches Volk bewertet, die Steirer allerdings als steifnackig, hochnäsig undtrotzköpfig, auch gegenüber ihren Vorgesetzten. Er fügt hinzu, daß das Milieu und dieBeschäftigung verschiedene Eigenarten der Bevölkerung beeinflussen: Der Bauer ausder Tiefebene ist unentschlossener als der Winzer und sie beide unterscheiden sich von

22 OSN 14, 1899, S. 870-900, und 25, 1906, S. 978-988.

23 Vlach, J.: Národopis 1-5. Praha 1881-1901. Über J. Vlach: OSN 26, 1907, S. 801; MSN 7, 1933, S. 684; Maláčeskoslovenská encyklopedie 6, 1987, S. 578.

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