RICHARD JEŘÁBEK
Der Artikel über die Steiermark und über die mit dem slawischen Elementbesiedelte Region Krain( Krajina), in der die Minderheiten der steirischen Deutschenangeblich fränkischen Ursprungs( z.B. Gottschee, Kočevje) waren und die TirolerDeutschen( Zarz, Zaier, Sora) nur kleine Inselchen bildeten, was dem Verfassser dieGelegenheit bot, Physiognomie und Naturell der deutsch und der slowenisch sprechen-den Bevölkerung zu vergleichen: Geradezu schmeichelhaft bewertet er die Stärke,Tapferkeit, Beharrlichkeit und Frömmigkeit, die Gutherzigkeit, überschäumende Lu-stigkeit und Witzigkeit der rötlich blonden, blau- oder braunäugigen Nachkommen derbayerischen Einwanderer. Während die Volkstracht dieser Leute der neuen Mode wich,erfreute sich die traditionelle Verpflegung angeblich allgemeiner Beliebtheit, vornehm-lich ihre regionalen Besonderheiten wie z.B. das aus Mehl und Milch in der Bratröhregebackene, Ofenkater genannte, Gebäck. Freude sowie Trauer wird bei den Landbe-wohnern von ausgiebigem Essen und Trinken- hauptsächlich von Most- begleitet.Die Familie lebt auf eine patriarchale Weise, die Dienstmägde haben oft viele unehe-liche Kinder, die jedoch im Hause beinahe als eigene wahrgenommen wurden. DieNachbarn halten bei den Verstorbenen Wache, beten und singen dabei und verkürzensich die Zeit mit lustigen Spielen usw." Im Vergleich mit der Steiermark sind dieAuskünfte über Kärnten und die Kärntner sehr kärglich. Sie beschränken sich daraufzu konstatieren, daß man hier sehr wenige Ehebündnisse schließt und daß wenigeKinder zur Welt kommen, was angeblich- wie in der Schweiz, Norwegen und Schwe-den auf die Unteilbarkeit der Bauerngüter und die Beschwernisse der Besorgung desLebensunterhaltes zurückzuführen ist. 12 Im Falle des Salzburger Landes hat J. Kořánkeine Abweichungen in der Lebensweise und Kultur der Bewohner von den Berglernin Oberösterreich und Tirol gefunden. 13 Im ausführlichen Artikel über Tirol mit Vorarl-berg, das schon nach dem Wiener Kongress in den Jahren 1814 und 1815 an Österreichzurückerstattet worden war, doch bis 1918 mit Tirol administrativ verbunden blieb,einschließlich Südtirol, respektive Trient, das Österreich eingegliedert war, jedoch imJahr 1918 von Italien besetzt wurde und nach dem Friedensvertrag von Saint- Germainwieder verloren war, zog J. Kořán nicht nur die beiden Majoritätsethnien in Betracht,sondern auch die Minderheiten, vor allem die rätoromanischen Ladiner und die unbe-stimmbaren Nachfahren der Mongolen in der Umgebung von Laas im Vinschgau( ValVenosta), sowie die zerstreuten slawischen Elemente, über die H. J. Bidermann( Slawenreste in Tirol. In: Slawische Blätter 1868) schrieb. Die fleißigen und sparsamen
11 RSN 9, 1872, S. 176, und 4, 1865, S. 923.
12 RSN 4, 1865, S. 831.
13 RSN 8, 1870, S. 51.
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