Klaus Beitl- Curriculum vitae
Auf den Spuren eines Grenzgängers zwischenBerlin- Schruns- Paris- Wien
Margot Schindler
Im Dezember 1998 fragt ein Passant an einer Straßenkreuzung in der WienerJosefstadt den zufällig vorbeikommenden Klaus Beitl nach dem Weg zum Volkskun-demuseum. Er hat ein Buch in der Hand, das der Autor als sein eigenes Werk,, Volksglaube. Zeugnisse religiöser Volkskunst" erkennt. Daraufhin entspinnt sich einkleines angeregtes Gespräch zwischen dem Buchautor und ehemaligen Direktor desgesuchten Museums und dem diesem Museum zustrebenden, an einem bestimmtenObjekt aus dem Buch interessierten Ratsuchenden.
Solche Begebenheiten sind für Klaus Beitl typisch. Sie passieren einfach. Siekönnen sich tatsächlich zugetragen haben, wie jene zufällige( was ist Zufall?) Begeg-nung; sie können aber auch in jenem Grenzbereich angesiedelt sein, der zwischen realenErlebnissen und erzählter Realität liegen kann. Arbeit und Muße, Privates und Dienst-liches, Scherz und Ernst, Seriosität und Leichtigkeit, Fabulieren und Formulieren sindbei Klaus Beitl keine Gegensätze, sondern bilden ein Netzwerk differenzierter Eigen-schaften und Handlungsweisen, aus dem seine vielschichtige Persönlichkeit erwächst.Wie wird man einer solchen Persönlichkeit am besten gerecht? Sicherlich nicht nurdurch die Aneinanderreihung von Lebensdaten und Karriereschritten, dennoch beginneich damit, weil sich daraus neben den familien-, zeit- und umständebedingten Entwick-lungslinien eines Berufslebens wohl auch so mancher Charakterzug erschließt.
Klaus Beitl wurde am 29. März 1929 in Berlin als erstes in einer Geschwisterreihevon vier Kindern geboren. Der Vater, Richard Beitl( 14. Mai 1900-29. März 1982)stammte aus Schruns im Montafon, die mütterlichen Wurzeln( Dorothea Beitl, geb.Köpke, 18. Juli 1903-27. November 1952) weisen nach Thüringen und Mecklenburg.Der Volkskundler Dr. Richard Beitl war Universitätsdozent und Schriftsteller und imZuge des Studiums in den zwanziger Jahren nach Berlin gekommen. 1927 promovierteer nach Studien der Literaturgeschichte, Volkskunde und Kunstgeschichte imHauptfach Germanistik und fand 1928 eine erste Anstellung im Fach Volkskunde in derneugegründeten Zentralstelle des Atlas der deutschen Volkskunde( ADV) in Berlin.
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