Georg Ainichhofer und das Bergrichteramt in Bleiberg
in Kärnten um die Mitte des 16. Jahrhunderts
Von Felix F. Strauss, New York
Im Alpenraum waren zur Zeit des ausgehenden Mittelalters und im 16. Jahrhundertalle am Bergbau Beteiligten der Gerichtsbarkeit eines Bergrichters unterworfen. SeineZuständigkeit war weitgespannt und erstreckte sich nicht nur auf Rechtstreitigkeiten,Verwaltungs- und Sozialmaßnahmen u. dgl. m., sondern oft auch auf montanistische undtechnische Belange. Der Jubilar, der sich durch mehrmalige Bearbeitung und Herausgabeeiner Teiledition verschiedener Fassungen des Schwazer Bergbuches 1556 verdient ge-macht hat, hat immer wieder auf die Bedeutung des Bergrichters als Organ der Verwal-tung und Rechtsprechung im Bergbau und als Beamten der ersten Berggerichts- Instanzhingewiesen. Das Schwazer Bergbuch 1556 sah für technische Belange, wie Verleihun-gen, Vermessung, Versetzung, Verhüttung und rationaler Verwertung der Wälder usw.einen Bergmeister vor, dem auch die Befugnisse zweiter Berggerichts- Instanz zufielen.In diesem Sinne hielt es auch die Ferdinandeische Bergwerksordnung 1553 in den öster-reichischen Erblanden. In kleineren Territorien, wie z. B. Salzburg, waren, mit Aus-nahme der Rechtsprechung zweiter Instanz, die Wirkungsbereiche der beiden Ämterzum größten Teil vereint. Die Salzburger Bergwerksordnung 1532, ein wichtiges Gliedin der Evolutionskette alpiner Bergwerkserfindungen und, wie noch zu zeigen ist, dieHauptunterlage für die Bamberger Bergwerksordnung 1550, befaßt sich in beinahejedem Paragraphen ausdrücklich oder indirekt mit den Pflichten und Befugnissen desBergrichters. Obgleich ,, Des Bergrichters Eid"( SBO, Para. 3) sich ausschließlich aufbergrechtliche und administrative Pflichten und Belange bezieht, geht aus einer Durch-sicht der ganzen Bergwerksordnung, sowie des allgemeinen vorhergehenden Paragraphen,, Von amptleudten ihn den pergkwercken und jren pflichten und ayden" klar hervor,
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1 Kirnbauer, Franz: 400 Jahre Schwazer Bergbuch 1556-1956. Wien 1956( LeobenerGrüne Hefte, 25), S. 46 und passim.- Derselbe: Bergrecht und bergrechtliche Verfahrenzur Zeit des Schwazer_Bergbuches( 1556) bis zur Kodifizierung des Bergrechtes in Österreich im19. Jahrhundert. In: Freiberger Forschungshefte, D 22( 1957), S. 79-121, 81 und passim.Derselbe: Das„ Schwazer Bergbuch" Eine Bilderhandschrift des österreichischen Berg-baues aus dem Jahre 1556. In: Bll. f. Technikgeschichte( zitiert als BTG) 18( 1956), S. 77-94,87 und passim. Bereits 1937 befaßte sich der Jubilar mit diesem für den Bergbau äußerst wert-vollen Werk: Das„, Schwazer Bergbuch". In: Zs. f. das Berg-, Hütten- u. Salinenwesen( 1937),S. 338-346.
2 Siehe Strauss, Felix F.: Hans Granmoser und das Bergrichteramt im Gasteiner Talum die Mitte des 16. Jahrhunderts( zitiert als Strauss, Granmoser). In: Mitt. der Gesellschaftfür Salzburger Landeskunde( SLK) 106( 1966), S. 252-271, 253 f. Zur Entwicklung vonBergwerksordnungen im Alpenraum: Kunnert, Heinrich: Der Schladminger Bergbrief( 1408). In: Der Anschnitt 13/2( 1961), S. 3—9.- Derselbe: Der Schladminger Bergbriefals europäisches Dokument. In: Der Bergmann, der Hüttenmann. Katalog der 4. Landesaus-stellung, Graz 1968), S. 272–277.- Dess Hochlöblichen Ertzstifts Saltzburgk PerckwerchsOrdnung[ 1532]. Gedruckt von Hans Baumann( Salzburg 1551). Später hg. in Lori,Johann, B.: Sammlungen des bairischen Bergrechts( München 1764), S. 199–240. Ich folge derSchreibweise des Baumanndruckes, zitiert als SBO 1532.- Neue Bergkwergsordnung Bambergi-scher Herrschafften in Khärndten Anno 1550 aufgericht. Handschrift Nr. 1079( olim 3638). In:Steiermärkisches Landesarchiv. Zitiert als BBO 1550.
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