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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
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Über die Entwicklung des Markscheidewesensbis zum 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigungdes alpinen Bergbaus

Von Herbert Spickernagel, Leoben

1. Einleitung

Über die geschichtliche Entwicklung des Markscheidewesens gibt es bisher nochkeine zusammenfassende Beschreibung. Wohl kennen wir eine Vielzahl von Einzel-arbeiten, die z. T. sehr sorgfältige, meist aber nur regional begrenzte Untersuchungendarstellen und daher einen allgemein umfassenden Überblick nicht unbedingt erleichtern.Auch fehlt es nicht an Beiträgen, die sich mit der Frühgeschichte der Markscheidekunstbefassen und zu dem Schluß kommen, daß es schon zu Zeiten der Pharaonen, wennnicht früher, Markscheider gegeben habe. Damit aber beginnen schon die ersten Schwie-rigkeiten; denn offensichtlich besteht selbst im fachlichen Schrifttum keine einheitlicheAuffassung zu der Frage, welche besonderen Kennzeichen den Beruf des Markscheidersund die von ihm ausgeübte Markscheidekunst oder Markscheidekunde charakterisieren,und was unter dem Begriff des Markscheidewesens zu verstehen ist.

Will man über Fragen, die das Markscheidewesen betreffen, außerhalb des eigenenFachbereiches sprechen, dann erscheint es notwendig, zunächst einmal darzulegen, wasdie Wortbildungen Markscheiden oder Markscheider überhaupt bedeuten; denn in derÖffentlichkeit bestehen darüber nur sehr unsichere Vorstellungen. Das mag auch ver-ständlich sein; ist doch wohl ein jedes Wissensgebiet umso weniger bekannt, je kleinerder Personenkreis ist, der mit dem betreffenden Gebiet unmittelbar verbunden ist odervon ihm betroffen wird und je weniger es auf das tägliche Leben der AllgemeinheitEinfluß nimmt. Diese Voraussetzungen aber sind für das Markscheidewesen, wie für nurwenige andere Fachgebiete, gegeben.

Wird doch z. B. einerseits der Beruf des Markscheiders nur von einem recht kleinenPersonenkreis in der beruflichen und behördlichen Praxis sowie in der wissenschaftlichenLehre und Forschung ausgeübt im ganzen deutschen Sprachraum mag diese Zahlheute bei etwa 800 liegen, wozu dann noch vielleicht ca. 5000, meist auf Bergbaufach-schulen oder Bergingenieurschulen ausgebildete Mitarbeiter des Markscheiders kommen

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und ist andererseits das Markscheidewesen wegen seiner engen Verflechtung mit demBergbau, der infolge seiner Gebundenheit an die Lagerstätte auch nur regional betriebenwerden kann, seit altersher in seiner Verbreitung lediglich auf die bergbautreibendenLänder beschränkt gewesen.

Erschwerend kommt hinzu, daß in der Sprache des alpenländischen Bergbaus an-stelle des Wortes Markscheider die Bezeichnung Schiner tritt, die hier bis weit in das19. Jahrhundert hinein gang und gäbe war.

2. Herkunft und Bedeutung der Bezeichnungen Markscheider und SchinerDie Bezeichnung Markscheider mag verständlich werden, wenn man sich der mittel-hochdeutschen Bedeutung des Wortes Mark als Grenze oder als Gebiet und als Be-

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