Zwei Probierschälchen des 16. Jahrhunderts aus
Kitzbühel, Tirol
Von Richard Pittioni, Wien
Im Sommer 1973 übergab mir Herr cand. phil. Manfred Rupert, Kitzbühel, zweiSchälchen, die ihm von den Findern für eine Bestimmung zur Verfügung gestellt wordenwaren. In einem Brief vom 30. Dezember 1973 teilte mir der Genannte auch die ihmbekannt gewordenen Fundumstände mit. 1
Im Juni 1967 wurde im Kitzbüheler Stadtgebiet„ Im Gries"( siehe StadtplanAbb. 19) innerhalb des zum Hause Franz Erler- Straße 9 c( Gp. 1601/1, bzw. Bp. 731 derKG. Kitzbühel- Stadt) gehörenden Gartens vom Besitzer Franz Gosch ein Aushub von2 m Länge, 1 m Breite und 3 m Tiefe für einen Öltank angelegt. Auf dem Kataster-Ausschnitt( Abb. 20) ist diese Fundstelle mit a eingetragen.
Das hier festgestellte Profil ergab zuoberst eine 30 cm dicke Schicht mit Kies undWegbeschotterung. Auf sie folgte eine ca 40 cm starke Schicht mit Schwemmsand ver-mischt, an die sich nach unten der Rest einer etwa 30 cm hoch erhaltenen Mauer an-schloß. Diese war im Schotter der nahe vorbeifließenden Jochberger bzw. KitzbühelerAche eingebettet. Diese Schotterschicht konnte dann bis zu einer Gesamttiefe von 3 mfestgestellt werden.
In der 40 cm starken Lehm- Schwemmsandschicht fand sich neben keramischenResten, Knochen und Asche sowie von Bruchstücken von Kupferschlacke ein unversehrterhalten gebliebenes und ungebrauchtes Schälchen, das von F. Gosch jun. geborgen wurde( Abb. 21 a, 22 a).
Im Juli 1973 wurde dann von F. Gosch sen. vor der Garage ein Aushub von etwa1 m Tiefe in einer Aufschüttung vorgenommen, die nach Meinung des Genannten zumGroßteil aus jenem Material besteht, das 1956 bei dem damaligen Hausbau gefördertworden war. Diese Fundstelle ist auf dem Kataster- Ausschnitt( Abb. 20) mit b eingetra-gen und von a etwa 10 m entfernt. Im Aushub wurde neben Tierzähnen und etwasKupferschlacke ein gut erhaltenes jedoch gebrauchtes Schälchen gefunden( Abb. 21 b,22 b). Man wird wohl anzunehmen haben, daß beide Stücke zusammengehören. Leiderwurde aber die an der Fundstelle a festgestellte Keramik nicht weiter beobachtet, siehätte vielleicht brauchbare Hinweise auf die nähere zeitliche Zuordnung der beidenSchälchen ergeben.
a) Schälchen, hellgelb- grauer sehr feiner Ton, Oberfläche gut geglättet, Mund-saum etwas beschädigt. Gut abgesetzte Standfläche, Wand leicht konisch aufsteigend,scharf geknickt, niederer Hals anschließend. Mundsaum leicht wulstförmig verdicktund waagrecht abgeschnitten, bzw. leicht konvex gerundet. Fassungsraum kalotten-förmig. Standfläche 4 cm, Höhe 3,1 cm, Mundsaumdurchmesser 6,6 cm( Abb. 21 a,22 a).b) Schälchen, grauer feiner Ton, Standfläche rötlich, Oberteil durch Hitzeein-wirkung dunkel verfärbt. Gut abgesetzte Standfläche, Wand breit konisch auf-
1 Für die Möglichkeit, die beiden Fundstücke veröffentlichen zu können, habe ich denbeiden Findern F. Gosch sen. und jun. sowie Herrn M. Rupert bestens zu danken.
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