Die Habsburger und der böhmische Bergbau des
16. Jahrhunderts
Von Jiří Majer, Prag
Im Augenblick, da Ferdinand I. im Jahre 1526 den böhmischen Thron bestieg, wardie innerpolitische Lage im Lande vom Gesichtspunkt der Staatsgewalt sehr kompliziert.unter der Regierung der beiden Jagellonen wurden die königlichen Rechte auf politi-schem und ökonomischem Gebiet stark zugunsten der böhmischen Stände eingeschränkt,beinahe alle Kronengüter und Einkünfte befanden sich in Gläubigerhänden, und dieköniglichen Schulden wurden bis auf 300.000 Gulden eingeschätzt. 1 Der neue Herrscherwar daher bereits zu Beginn seiner Regierung vor die schwierige Lage gestellt, diePositionen des königlichen Majestats zu erneuern und neue stärkende Einnahmequellenfür die zerrüttete Staatswirtschaft zu finden. Mit der Verwirklichung dieses Vorhabenswurde im Jahre 1527 ein neu errichtetes königliches Amt, die böhmische Kammer,betraut, das höchste Finanzorgan im Lande, das sich jedoch bald in eines der wichtigstenInstrumente zur Durchsetzung der Zentralisierungspolitik verwandelte.
Der erste Eingriff mußte vor allem auf dem Gebiet der geschwächten Regalrechtedurchgeführt werden, von denen das Berg- und Münzregal das wichtigste war. Ferdi-nand I. legte daher bereits in seiner ersten Direktive für das neuerrichtete Amt vom25. März 1527 das Hauptgewicht auf die Erneuerung und Entfaltung des böhmischenBergbaues, also auf ein Gebiet, wo das königliche Interesse mit den ökonomischenInteressen der böhmischen Stände zusammenstieß. Bei der ablehnenden Haltung desböhmischen Landtags, neue Landessteuern zu bewilligen, 3 wurde das Bestreben, dieköniglichen Einkünfte aus den Bergbaubetrieben zu erhöhen, dauernd zu einem Schlüssel-problem der königlichen Finanzpolitik. Wenn dieser Prozeß von Erfolg gekrönt werdensollte, mußte man sehr taktisch vorgehen. Daher versuchte der König anfangs an denEinfluß der böhmischen Stände auf die Bergbauangelegenheiten, die bisher von der sog.böhmischen Hofkanzlei und dem Obersten Münzmeister geleitet wurden, zumindestäußerlich vorläufig noch nichts zu ändern und wartete mit der Proklamierung desGrundsatzes der Schurffreiheit, des ausschließlichen königlichen Regalrechtes auf denBergbau und der Einschränkung der Rechte der Grundherren ab. Sein Interesse richtetesich vorerst auf die königliche Bergstadt Kutná Hora( Kuttenberg), das traditionelleZentrum des böhmischen Silberbergbaues, wo der jährliche Ertrag in den zwanzigerJahren des 16. Jahrhunderts bereits oft tief unter die Grenze von 2000 kg gefallen warund immer noch ständig fiel. 4 Eine der ersten Aufgaben der böhmischen Kammer wardaher, eine Revision der hiesigen Bergwirtschaft durchzuführen und die Förderung in
1 Janáček, Josef: České dějiny( Geschichte von Böhmen) 1526-1547, Bd. I/ 1.Praha 1968, S. 44.
2 Abgedruckt bei Pešák, Václav: Dějiny královské české komory od 1527( Geschichteder königlichen böhmischen Kammer seit 1527). Praha 1930, vgl. besonders S. 297 f.
3 Ausführlicher Placht, Otto: České daně( Böhmische Steuer) 1517-1652. Praha1924, besonders S. 10 ff.
4 Siehe Kořan, Jan: Dějiny dolování v rudním okrsku kutnohorském( Geschichte desBergbaues im Revier Kuttenberg). Praha 1950, Tafel auf S. 86.
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