Berechtigung und Nutzen historischer Fragestellungen an dasMarkscheidewesen
Von Werner Kroker, Bochum
Franz Kirnbauer hat sich im Laufe seines Schaffens beginnend mit seinerLeobener Dissertation aus dem Jahre 1936 wiederholt mit der Entwicklung desMarkscheide- bzw. Grubenriẞwesens in Österreich befaßt. 1 Er hat damit deutlichwerden lassen, wie sinnvoll und notwendig eine historische Beschäftigung mit dieserspeziellen Disziplin der Bergbaukunde ist, wie sie vielfältige Aufschlüsse über den Berg-bau in vergangenen Zeiten vermittelt. Dieser Tatbestand gibt Anlaß, im folgendenzunächst kursorisch auf historiographische Bezüge einzugehen, um danach exemplarischauf einige Bereiche der Geschichtsforschung hinzuweisen, für die eine Beschäftigung mitAspekten der markscheiderischen Berufsgeschichte hilfreich sein kann.
Kirnbauer zählt mit seinen diesbezüglichen Arbeiten zu den Mitbegründern einerTradition, die am Ende der zwanziger Jahre einsetzte und praktisch bis in die sechzigerJahre hineinreichte; es ist die Erscheinung, daß sich Bergleute insbesondere Mark-scheider-intensiv mit der wechselvollen Geschichte ihres Berufsstandes auseinander-setzen und ihre Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.Am Anfang dieser Tradition dürfte in Deutschland wohl ohne Zweifel Hans- Jürgen v.Alberti gestanden haben, der 1927 in Freiberg seine Diplomarbeit über die Entwicklungdes bergmännischen Rißwesens angefertigt hat. 2 An der Freiberger Bergakademie lehrteWalter Nehm, der vom Anfang der dreißiger Jahre an eine beachtliche Anzahl kleinerer,aber auch einige umfassende Aufsätze zur Geschichte des Markscheidewesens ver-öffentlichte. ³
Nehm wechselte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Aachen über, und auch seinNachfolger im dortigen Institut, Oskar Niemczyk, hat sich wiederholt mit der Geschichtedes Markscheidewesens auseinandergesetzt. Seine bedeutendste Arbeit in dieser Hinsichtist die ,, Entwicklungsgeschichte des markscheiderischen Riß- und Kartenwesens", einprofunder Überblick, der als besonderes Kapitel seinem Handbuch„ BergmännischesVermessungswesen“ beigegeben ist. 4 Auch Karl Neubert, der emeritierte Direktor desMarkscheide- Instituts der Freiberger Akademie, hat die Tradition fortgesetzt. 5 Indiesem Zusammenhang muß abschließend auf die jüngsten Arbeiten von HerbertSpickernagel von der Montanistischen Hochschule Leoben hingewiesen werden, derdurch die Verbindung mit seinem früheren Wirkungsort Aachen schon rein geographisch
1 Vgl. etwa Kirnbauer, Franz: Die Entwicklung des Grubenriẞwesens in Österreich.In: Bll. f. Technikgeschichte, 24( 1962), S. 60—129.
2 Alberti, Hans- Jürgen v.: Entwicklung des bergmännischen Rißwesen. Diplom- Arbeitim Markscheide- Institut der Bergakademie Freiberg 1927, 2 Teile, Ms.
3 Vgl. etwa Nehm, Walter: Über den Stand der markscheiderischen Berufsgeschichte.In: Mitt. aus dem Markscheidewesen, 1940, S. 163–179.
4 Niemczyk, Oskar: Überblick über die Entwicklungsgeschichte des markscheideri-schen Riß- und Kartenwesen. In: Bergmännisches Vermessungswesen. Hg. von Oskar Niem-czyk Otto Haibach. Bd. 3, 1. Halbbd., Berlin 1963, S. 1-89.
5 Vgl. etwa Neubert, Karl: Der Beruf des Markscheiders im Wandel der Zeit. In:Forschungen und Fortschritte, 38( 1964), 1, S. 1-4.
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