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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
Entstehung
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Die Bergbauheiligen Barbara und Daniel in komplementärer

Funktion

Von Gerhard Heilfurth, Marburg a. d. Lahn

Im formenreichen Geschichts- und Traditionsgefüge der bergbaulichen Arbeits- undLebenswelt spielt die Verehrung besonderer Berufsheiliger eine große Rolle. Sie beruht,kultursoziologisch und-anthropologisch gesehen, auf der spezifischen Struktur derReligiosität, wie sie sich auf Grund der Eigenart des montanen Aufgabenfeldes und dersoziokulturellen Prägung der in ihm tätigen Menschen herausgebildet hat. EntscheidendeAnsätze für diese Entfaltung und Konfigurationen geben die bergmännischen Grund-funktionen des Suchens, Findens, Gewinnens und Förderns der Bodenschätze mit all dendamit verbundenen Problemen ab, aber auch die exponierten Situationen der Bergbau-arbeit besonders unter Tage mit ihren Belastungen und Gefährdungen.

Die herausragenden heiligen Gestalten im Bergbaubereich sind Barbara undDaniel. Die beiden von den Bergleuten über Jahrhunderte hin verehrten Schutz-patrone erweisen sich in ihrer Typik und ihrer geschichtlichen Ausformung als außer-ordentlich verschieden. Sie erscheinen deshalb im Überlieferungsgewebe des Montan-wesens im allgemeinen getrennt, denn die Schwerpunkte ihrer Verehrungsansätze liegenweit auseinander. Aber gerade dadurch ergänzen sie sich auch gegenseitig. Erst dasGewinnen tieferer Einblicke in die hier vorliegenden Überlieferungsfaktoren ermöglicht,diesen komplementären Funktionen nachzugehen. Im Verlauf der Forschung konnteaufgedeckt werden, daß in einzelnen Fällen der Bergbauüberlieferung Barbara undDaniel auch gemeinsam, nebeneinander und miteinander, auftreten. Sie repräsentierendann die volle Breite der Hilfs- und Schutzmöglichkeiten, die die Bergleute in Zeitenintensiven religiösen Lebens von den Heiligen erhofften und erbaten. Diese Stellen sindselten und interessant, und sie liegen alle, soweit wir bisher dieses Problem klärenkonnten, in alpinen Montangebieten. Ehe wir sie behandeln, wollen wirwenigstens in Umrissen die jeweiligen Besonderheiten der beiden Gestalten, die für dieAusformung der Bergbaukultur 6 bedeutsam waren, ins Bewußtsein rücken.

1 Heilfurth, Gerhard: St. Daniel im Bergbau. Wien 1955, mit 14 Abb.(= erweiterterNachdruck aus Zs. f. Volkskunde 50[ 1953], S. 247-260). Leobener Grüne Hefte 17.2 Derselbe: St. Barbara als Berufspatronin des Bergbaus. Ein Streifzug durch ihrenmitteleuropäischen Verehrungsbereich. In: Zs. f. Volkskunde 53( 1956/57), S. 1-64, mit 15 Abb.3 Derselbe: Neue Daten zur bergmännischen Danielverehrung. In: Hess. Bll. f. Volks-kunde 49/50( 1958)( Festschrift für Hugo Hepding), S. 58-82, 12 Abb.

4 Derselbe: Die Danielgestalt in der bergmännischen Bildüberlieferung. In: Der An-schnitt 10( 1958), Nr. 6, S. 12-19, 10 Abb.

5 Derselbe: Das Heilige und die Welt der Arbeit am Beispiel der Verehrung desPropheten Daniel im Montanwesen Mitteleuropas. Marburg 1965, 2. erg. Aufl., mit 20 Bildtafeln.

Diese Arbeiten enthalten( mit Ausnahme des in Anm. 4 zitierten Aufsatzes) detaillierteAngaben der Quellen und Literatur, die hier aus Raumgründen bis auf einzelne Ausnahmennicht alle wiederholt werden können; auf sie muß insgesamt verwiesen werden.

Zur Einordnung und zum Programm dieses umfangreichen Forschungsprojektes, um dases dabei geht, vgl. Heilfurth, Gerhard: Das Montanwesen als Wegbereiter im sozialen undkulturellen Aufbau der Industriegesellschaft Mitteleuropas, Wien 1972.

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