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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
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Der Grimming in der Volkserzählung

Von Karl Haiding, Stainach

Das Wahrzeichen des mittleren Ennstales bildet der den nördlichen Kalkalpenangehörige Grimming, der bis ins 17. Jahrhundert für den höchsten Berg der Steiermarkgehalten wurde. Er erweckt den Eindruck besonderer Mächtigkeit, weil er unmittelbaraus dem Talboden um 1700 m bis zur Höhe von 2351 m emporsteigt. 1 Östlich von ihmhat sich der Grimmingbach, nach Südosten der Enns zustrebend, eingegraben, im Westentrennt den Berg der Salzafluß durch eine tiefe Rinne vom nächsten Gebirgsstock. ,, Durchden Stein", wie dieser Einschnitt heißt, führte hier von Mitterndorf im Salzkammergutein schmaler Fahrweg am linken(= Ost-) Ufer heraus ins Ennstal, vor dessenErreichung der Fluß den, schönsten Wasserfall der Steiermark" bildete. Am rechtenUfer gab es nur den sogenannten Fischersteig, von Fischern und Jägern begangen. Heuteist das enge, menschenleere Flußtal zu einem Stausee umgewandelt, der Wasserfallmußte einem Kraftwerke geopfert werden. Die einstigen Wege liegen nun größtenteilsunter dem Wasserspiegel, ein neuer, stellenweise zur zweispurigen Straße erweiterteFahrweg an der westlichen Talseite dient auch dem Kraftwagenverkehr.

Vom Ennstale aus erblickt man hoch oben in einer steil abfallenden Wand einerundbogenartig überwölbte Felsöffnung, das Grimmingtor, in der literarischen Weltdurch den Roman Paula Groggers berühmt geworden. 2 Selbst der bodenständigenBevölkerung wenig bekannt ist das zweite Grimmingtor auf der Hinterberger Seite, vonMitterndorf aus zu sehen, das einst das, Eiserne Tor" hieß. 3

Von diesem Grimmingtor erzählte mir der Waldarbeiter Franz Mengg aus Mittern-dorf ein Kindheitserlebnis: 4 ,,... das Grimmingtor. Auf unserer Seite, da bin ich einmalhinauf. Meine Eltern haben mir gesagt, es geht auf bei der Christmette um Mitternacht.Sobald sie läuten, geht das Tor auf. Ich war so ein Knabe, vor 50 Jahren war es, ichwar so etwa 15 Jahre alt, Schi hatte ich, so ganz alte, ganz schlechte, nicht wie mansie heute hat. Da bin ich hinauf und sagte mir: ,, das muß ich mir anschauen! Ich mußdoch sehen, wie ich da hinaufkomme, nicht?" Und ich habe mich recht erhitzt hinauf,geschwitzt habe ich, komme ich bald hernach hinauf, sehe ich haben sie gerade ge-läutet schon- ja, das Tor ist ein wenig offen! Vielleicht habe ich es mir nur so einge-bildet, da sehe ich noch ein Zwerglein fahren und in seinem Schubkarren hat es schön

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1 Murban, Karl: Boden und Landschaft. Geologischer Überblick. Im Gemeinschafts-werk Rund um den Grimming", Leykam Graz 1967, S. 124 ff. Der Verfasser hat im Land-schaftsmuseum Schloß Trautenfels am Fuße des Grimmings die Grundlagen der geologischenSchau geschaffen.

2 Grogger, Paula: Das Grimmingtor. Neudruck Wien 1971.

3 Nach freundlicher Mitteilung des heimatkundigen Herrn Ludwig Pürcher, Mittern-dorf, politischer Bezirk Liezen, Gerichtsbezirk Bad Aussee.

Aufzeichnung Haiding Nr. 2267, Trautenfels 1967. Der Wortlaut ist mit Rücksicht aufden Leserkreis der Festschrift aus der mittelbairischen Mundart in die Schriftsprache übertragen.Zu vergleichen ist der Bericht eines Jugenderlebnisses von Dr. Kurt Conrads Großvater, wieder-gegeben bei Isolde Baudisch: Das Motiv vom offenen Berg in Sage, Märchen und Legende.Ein Beitrag zur Volkssagenforschung. Dissertation Graz S. 53.

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