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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
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Südtiroler ,, Knappenlöcher"

Von Hans Fink, Brixen

Unter einem ,, Knappenloch" versteht man in Tirol volkstümlich einen Grubenbauim weiteren Sinn, wobei die Größe, die Tiefe, der Ursprung oder das Alter keine Rollespielen. Man benutzt den Terminus also für Schächte und Stollen aller Art. Die Mundartverwendet in der Gegenwart das bergmännische Zeitwort knappm" ebenfalls weit-gefaßt für jede Tätigkeit, die mit wühlen, schürfen oder mühsam im Erdreich grabenzusammenhängt, greift also heute über das Bergbauliche hinaus. In diesem Beitrag solles aber nur um Knappenlöcher gehen, die montaner Herkunft sind.

Vorgeschichtliches

Der Bergbau in Tirol ist fast so alt wie des Landes Besiedlung, ja es sind schonStimmen laut geworden, nach denen die Suche nach Erz bäuerliche Seẞhaftigkeit erstnach sich zog. Den frühesten Beweis von Bergbau liefert wohl ein vorgeschichtlicherGrabstein, den ein ladinischer Bauer im Sommer 1866 am Abhang des Monte Pore ¹ imDolomitental Buchenstein 2 gefunden hat. Der deutsche Namen Buchenstein für denladinischen Fodóm 3 leitet sich nachweisbar vom alten Ausdruck puchn"-pochen 4bzw. Erz zerstoßen her. Das gilt genauso für die Toponomyna in der Poche" zuPflersch und Pucher", dem Pochwerk unweit Klausen, das 1921 durch Hochwasserzerstört wurde. Bei dem buchensteinischen Grabstein handelt es sich um ein Denkmal,das im Museum zu Bozen aufbewahrt ist und in venetischer Schrift zwei Widmungenträgt, die die einstige Wichtigkeit des Bergwerkes unterstreichen. Das Alter der Inschriftist vorchristlich. 5

Der Bergname Monte Pore sagt soviel wie Angstberg, Berg der Furcht, desSchreckens". Karl Felix Wolff erzählt in seinem Werk ,, Dolomitensagen", daß derMonte Pore nach allen Seiten von Stollen und Schächten durchgraben ist. Der Haupt-eingang lag auf der Morgenseite und hieß Fursill oder auch Frisolét, d. h. Eisen, Eisen-berg. Auch blühten dort die flores de fyér"( Eisenblumen), deren Stengel feine Fädenvon Eisen und Gold enthielten. Diese Fäden brauchte man, um ein Prachtgewand ausGold und Seide anzufertigen, das von einem Mädchen getragen wurde, wenn man es indie Schächte schickte, um die Berggeister zu zwingen, ihre Schätze freizugeben. Dasbetreffende Mädchen hatte schön und angesehen zu sein, es wurde vom Volk ausgewählt

1 Zur Entdeckung des Bergwerkes am Monte Pore bringt Gerhard Heilfurth inseinem Standardwerk: Bergbau und Bergmann in der deutschsprachigen SagenüberlieferungMitteleuropas. Marburg 1967, eine Sage, die hier nicht wiederholt werden soll.

2 Buchenstein liegt zwar in der Provinz Belluno, wird aber zum ladinischen Teil Südtirolsgerechnet.

3 Fodóm leitet sich von vicedominus- Vitztum ab; nach Crepaz, Anton: Die Orts- undFlurnamen von Livinallongo. Bozen 1937.

4 Schatz, Josef: Wörterbuch der Tiroler Mundarten(= Schlernschriften 119-120)Innsbruck 1955, S. 115.

5 Mayr, Karl Maria: Zu den venetischen Inschriften vom Monte Pore.( Der Schlern1951, S. 417.)

Wolff, Karl Felix: Dolomitensagen. Innsbruck 1957, S. 380-424.

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