das Aufsuchen von Mineralen, Erzen, Erden und Ähnlichem war; daneben verhandeltensie diese Dinge genauso wie andere Waren des Klein- und Hausiererhandels.
Es wäre ungerecht, derartige wirtschaftshistorische Ansätze zur Deutung besondersschon bei Pogatschnigg und jenen, die ihm folgten, übersehen zu wollen. Gerade diesesollten jedoch in Zukunft stärker herausgearbeitet werden, wobei sich freilich eineBeschränkung auf„ Erzählforschung" einmal mehr als unbrauchbar erweist. Es bleibtdas Verdienst des Jubilars und seines Mitarbeiters Rudolf Altmüller, 39 erst vor kurzemein aus der annähernd gleichen Zeit wie unsere Quelle stammendes„, Walenbüchlein",also ein Lagerstättenverzeichnis, aus unmittelbarer Nachbarschaft des Ötschers ver-öffentlicht zu haben( die Abfassung der Urschrift wird mit 1560-1580 angenommen),womit sich unser Bild abrundet.
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Selbstverständlich gibt es auch ausgesprochene Venedigersagen. Das primäre Pro-blem ihrer weiteren Erforschung wird aber nicht, wie in diesem Bereich üblich, dasMythisch- Glaubensmäßige sein dürfen, sondern zunächst die Frage, was zur Übersteige-rung einer ganzen, realen, sozialen Gruppe geführt hat. Es ist- hypothetisch- offenbardas Problem gruppenspezifischer( und nicht ,, gesamtvölkischer") Ängste und Aggressionenmit stark wirtschaftlichem Hintergrund gegenüber solchen, die außerhalb der jeweiligengesellschaftlichen Normen( Sprache, Kleidung, Handelsform usw.) stehen. Dann erst wäreder Prozeß der Mythifizierung in Betracht zu ziehen: wo und mit welchen Motiven dieItaliener irrealisiert werden und vor allem, in welchem gesellschaftlichen Milieu. Warumwurden die Fremden im inneralpinen Bereich, Pogatschnigg zufolge, stärker mit Berg-geistern, Schwarzkünstlern, Teufelsbündlern und Fahrenden Schülern in Verbindunggesetzt als in unserem und ostmitteldeutschen Bereich, obwohl der Ötscher als der eigent-liche Teufels- und Hexenberg Niederösterreichs gilt? Das sind Fragen, die der weiterenForschung überantwortet werden müssen.
Es wäre reizvoll, Streuns Ötscherbericht vom zeitlichen Ausgang der österreichi-schen Renaissance mit jenem des Hofmathematicus Joseph Anton Nagel vom Jahre1747 zu vergleichen. Abermals wurde da ein Gelehrter von einem, nun freilich schonmerkantilistisch aufgeklärten Herrscher, nämlich Franz Stephan von Lothringen, mitder Begehung unseres Berges beauftragt( Dieser Kaiser setzt übrigens das persönlichemontanistische Interesse des österreichischen Herrscherhauses bis zu Erzherzog Johannfort). 40 Eigenartigerweie werden bei Nagel die Welschen nicht mehr erwähnt, sondernnur mehr Teufel, Drachen und dergleichen. Auch diese Auswahl wird gegen den geistes-geschichtlichen Hintergrund verständlich: Über seine schon rein naturwissenschaftlichenStudien hinaus gilt sein besonderes Bemühen der Aufklärung der Landbewohner. 41Aber diese Betrachtung muß einer eigenen Darstellung überlassen bleiben.
39 Altmüller, Rudolf und Franz Kirnbauer: Ein steirisches Walenbüchlein.Wien 1971( Leobener Grüne Hefte 125).
40 Wandruszka, Adam: Die Habsburg- Lothringer und die Naturwissenschaften, In:Mitt. d. Instituts f. Österr. Geschichtsforschung. 70. Bd., Graz 1962, S. 355 ff.
41 Bruchstücke von Nagels Bericht sind gleichfalls bei Schmidl, wie Anm. 1, S. 213 ff.abgedruckt.
6 Kirnbauer
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