Der Ötscher- Forschungsbericht Reichart Streuns
von Schwarzenau( 1592)
Von Helmut Paul Fielhauer, Wien
,, Allerdurchlauchtigster, Grosmächtigster Röm. Kayser. Auch zu Hungarn undBöheim König. Allergnädigster Kayser und Herr. Euer Kais. Mayt seind meine SchuldigeGanz unterthänigste Gehorsamste Dienste iedezeit zuvor an. Euer Kays. Mayt haben mirnoch in dem verschienen iahr durch den Cammerdiener und Mautner zu Ybs hansenPoppen zuschrieben und Gnädigst befehlen lassen, erkundigung einzuziehen, was es voreine Gelegenheit mit dem Etscherberg habe, und insonderheit, was für stein, oder anderessein möchte, so die wälischen von disem berg in Kräxen hinweg, und aus dem Land tra-gen sollen, Davon Ihre Kays Mayt ich in meinen zu Prag unterthanige anregung Ge-than, wie mir auch derowegen ein Schreiben Von Euer Kais. Mayt ausgehend von Hrn.Prior zu Gamming, dabei alle beförderung zu erzeigen Von gedachten Poppen über-schickt worden."
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Mit diesen Worten beginnt ein Bericht, auf den in der volkskundlichen Literaturgenauer gesagt: in der Erzählforschung einige wenige Male in den Anmerkungenverwiesen wird, der aber nie in seiner Gänze gewürdigt wurde, weil die Autoren offen-sichtlich bloß von ihren Vorgängern einige ausgewählte Sätze übernahmen, ohne demeigentlichen Wert der Quelle gerecht zu werden. Denn dieser ist nicht nur wegen derpaar Hinweise auf die ,, Wälischen"( Welschen,„ Venediger") von Interesse; darüberhinaus bleibt er ein anschauliches Zeugnis renaissancezeitlichen Forschens im Bergwesen,das hier zu Ehren des Jubilars von einem in seiner Jugend begeistert der Höhlenfo-forschung zugetanen Volkskundler mit einem herzlichen Glück tief"( als dem Grußder Speläologen) vorgelegt sei.
Die Quellen
Erstmals hat 1857 der Geograph Adolf Schmidl in seiner Arbeit ,, Die Höhlen desÖtscher" jenes Forschungsprotokoll in den Sitzungsberichten der mathematisch- natur-wissenschaftlichen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien 1 einerbreiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Offensichtlich von ihm haben in der Folgeeine Reihe von Sagensammlern abgeschrieben, allen voran Theodor Vernaleken, 2 AntonMailly und Hermann Heller; 4 aber schon Schmidl selbst wurde von einem derbedeutendsten Fachkollegen seiner Zeit auf den Ötscherbericht aufmerksam gemacht,nämlich von Moritz Anton Becker, der in seinem„, Reisehandbuch für Besucher des124. Bd., Jg. 1857, H. 1-3. Wien 1857, S. 199 ff.
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2 Vernaleken, Theodor: Alpensagen. Wien 1858( Nachdruck Graz 1970), S. 164. Aufihn bezieht sich Heilfurth, Gerhard unter Mitarbeit von Ina- Maria Greverus: Berg-bau und Bergmann in der deutschsprachigen Sagenüberlieferung Mitteleuropas. Marburg 1967,S. 758 f.( Veröff. d. Instituts für mitteleurop. Volksforschung a. d. Philipps- Universität Mar-burg).
3 Mailly, Anton: Niederösterreichische Sagen, Leipzig 1926, S. 85, Nr. 166. BeiHeilfurth, wie Anm. 2, S. 740, Nr. 850 durch einen Druckfehler statt Schmidl Schmidt.4 Heller, Hermann: Höhlensagen aus dem Lande unter der Enns. Wien 1924, S. 18,Nr. 4; S. 43, Nr. 21 a; S. 44., Nr. 21 b; S. 76, Nr. 41.
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