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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
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Die Stöckl in Schwaz

Eine Tiroler Gewerkenfamilie im Frühkapitalismus

Von Erich Egg, Innsbruck

Der Silber- und Kupferbergbau in Schwaz war in seiner Blütezeit von etwa 1470bis 1550 von europäischer Bedeutung und hat wesentlich dazu beigetragen, das habs-burgische Imperium unter den Kaisern Maximilian I. und Karl V. zu begründen und zufestigen. Im Zeitalter des Frühkapitalismus spielte das Geld als Machtfaktor eine sobedeutende Rolle, daß Darlehen mehr vermochten als Feldzüge. Aber auch die Kriegewurden nicht mehr von Lehensheeren, sondern von Söldnertruppen geführt, wobei dasGeld als Löhnung die entscheidende Rolle hatte. Das Silber aus Schwaz war soviel wiebares Geld; Darlehensgeber nahmen dieses Silber als Rückzahlung an. Das Kupfer warfür die Geschützproduktion und die Herstellung von Handfeuerwaffen aus Bronze undMessing ebenfalls unentbehrlich. In Schwaz wurden am bedeutendsten Stollenrevier desFalkenstein von 1470 bis 1550 824.000 kg Silber und 59.000 Tonnen Kupfer ge-wonnen. Dazu kamen an den schwächeren Revieren Ringenwechsel und Alte Zeche( 1470 bis 1550) weitere 484.000 kg Silber und 37.000 t Kupfer. 3 Diese Produktions-ziffern sind auch für heutige Verhältnisse eindrucksvoll, umsomehr in den Jahren um1500. Die europäische Rolle des Schwazer Silbers verdeutlichen nicht nur die Millionen-darlehen, die die Fugger und andere Handelsfirmen dem Hause Habsburg im Vertrauenauf das Schwazer Silber gegeben haben, sondern im besonderen die Tatsache, daß vonden 600.000 Gulden, mit denen die deutschen Kurfürsten von Jakob Fugger zur WahlKarls V. zum Römischen König ,, bewogen" wurden, 415.000 mit Schwazer Silber rück-gezahlt wurden. 4 Es war wohl einzigartig, daß bei einer hochfürstlichen Wahlbe-stechung das Schwazer Silber das Gold des französischen Königs Franz I. aus dem Feldeschlug.

Die großen Zahlen sind aber nur Endprodukte, die nichts über den Aufbau, dieRentabilität, die sozialen Spannungen und die Persönlichkeiten, die dieses Wirtschafts-wunder schufen, aussagen. Im Gegensatz zu anderen Montangebieten ist aber dieQuellenlage im Tiroler Landesarchiv so ausgezeichnet, daß man Licht und Schatten indieser Zeit weitgehend ausloten kann. Dies soll hier am Beispiel der Stöckl, einer derführenden heimischen Gewerkenfamilien, dargestellt werden. Sie waren, anders als diemeisten ausländischen Kapitalgesellschaften in Schwaz, auch Träger kultureller Leistun-gen ein Thema, das dem Jubilar in seinen ,, Leobner Grünen Heften" immer sehr amHerzen liegt, aber hier nicht behandelt werden soll.

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1 Egg, E.: Schwaz ist aller Bergwerke Mutter. In: Der Anschnitt 1964, Nr. 3, S. 10 ff.2 Schwatzer Prandtsilber vom 1470. Jar an, Pestarchiv XIV/ 897 und Leopoldina Litt.S/ 102, Tiroler Landesarchiv Innsbruck; Isser, M. v.: Schwazer Bergwerksgeschichte,Manuskript, Schwaz 1905, FB 19.680, Tiroler Landesmuseum Innsbruck, S. 68-71, 196, 209, 261,272. Alle im Beitrag angeführten Produktionsziffern stammen aus den beiden Quellen im Landes-archiv. Eine Wiener Mark entspricht 0,28 kg.

3 Egg wie Anm. 1, S. 21-22.

4 Pölnitz, G. v.: Jakob Fugger, Tübingen 1949, S. 418, 444; Egg, wie Anm. 1, S. 27.

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