Einflüsse des niederungarischen Bergbaus im 18. und19. Jahrhundert auf den deutschen Bergbau
Von Hans Günter Conrad, Bochum
Der Bergbau in den sogenannten„ niederungarischen"- d. h. slowakischen- Berg-städten, unter denen Schemnitz, Kremnitz und Neusohl die beachtlichsten waren, hatteim 18. und 19. Jahrhundert internationale Bedeutung. Die merkantilistisch- kameralisti-sche Politik der österreichisch- ungarischen Monarchie bildete für diese Entwicklungdie mittelbare Voraussetzung. Das ausgesprochene Staatsinteresse bekundet sich in dendrei kaiserlichen Befahrungen des Schemnitzer Bergbaudistrikts der Jahre 1740, 1751und 1783 und in der Gründung der Bergakademie Schemnitz( Banská Štiavnica), 1763/70.1 Schemnitz zählt neben den Bergakademien Freiberg( 1765), Berlin( 1770),St. Petersburg( 1773), Paris( 1783) und Madrid( 1783) zu den ältesten akademischenAusbildungsstätten in den bergbaulichen Disziplinen außerhalb der herkömmlichenUniversitäten. 2
Die Bedeutung des Bergbaus in der Slowakei wird ferner durch folgende berg-technische Kriterien beleuchtet: 1721 errichtet der Engländer Isaac Potter auf demAlthandler Schacht bei Königsberg( Nová Baňa) die erste Newcomen- Feuermaschinedes Kontinents; 3 1733 und 1736 werden vier weitere Feuermaschinen, Konstruktionendes Oberkunstmeisters Höll, in Betrieb genommen; 1749 erfolgt der Einbau der vonHöll erfundenen ersten Wassersäulenmaschine auf dem Leopolds- Schacht. 4
Eine absolute Wertung erfährt das Schemnitzer Bergbaugebiet durch den bekanntendeutschen Mineralogen und Geologen Berghauptmann J. J. Nöggerath( 1788-1877):,, Der Distrikt beschäftigt 16.000 Bergleute. In dem offiziellen Berichte über die großePariser Industrieausstellung vom Jahre 1855 ist er mit Recht als eine für den Bergbauklassische Gegend bezeichnet worden. Die Direktion desselben erhielt auch damals diegoldene Preismedaille erster Klasse in Rücksicht der eingeführten bedeutenden Ver-besserungen bei den Wassersäulenmaschinen, der Aufbereitung und den Eisenhütten-prozessen". 5
Richtungweisende Thesen und Forschungseinsichten der an der BergakademieSchemnitz lehrenden Wissenschaftler wie auch wissenschaftliche Veröffentlichungenvon Poda, Delius und von Hanstadt erzeugen Einflüsse auf den deutschen Bergbau vondirekter und indirekter Auswirkung. Die 1773 in Wien erschienene„ Anleitung zur
1 Lipold, M. V.: Der Bergbau von Schemnitz. Wien 1867, S. 371.
2 Vgl. Baumgärtel, H.: Vom Bergbüchlein zur Bergakademie. Leipzig 1965(= Frei-berger Forschungshefte. D. 50) und Fettweis, G. B.: Über die Bergbaukunde als Wissen-schaft des Bergbaus. Vortrag VI. Internationaler Bergbaukongreß. Madrid 1970. KurzauszügeI- B. 1, S. 1.
3 Poda, N.: Kurzgefaßte Beschreibung der beym Bergbau zu Schemnitz in Nieder-Ungarn errichteten Maschinen. Prag 1771, S. 47.
4 Lipold, wie Anm. 1, S. 370.
5 Nöggerath, J. J.: Die bergmännischen Lehranstalten in den k. k. österreichischenStaaten. In: Zs. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen 5( 1858), S. 10.
6 Vgl. Faller, G.: Gedenkbuch zur Hundertjährigen Gründung der Königl. Ungari-schen Berg- und Forst- Akademie in Schemnitz. Schemnitz 1871, S. 5-15, sowie die Arbeiten vonPoda, N.: Berechnung der Luftmaschine, welche in der Niederungarischen Bergstadt zu
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