sehen 21), was immerhin schon eine bessere Zukunft andeutet. Überhaupt hebt sich dasNiveau des klösterlichen Lebens in St. Lambrecht unter diesem Abte ganz bedeutend.Abt Johann konnte als Muster für andere Prälaten hingestellt werden und wurde auchzum Visitator anderer Klöster bestellt 22). Ein tüchtiger Abt zieht auch einen tüchtigenNachwuchs heran und umgibt sich mit ebensolchen Laien. Was zunächst das Letzterebetrifft, berief Abt Trattner Männer seines Sinnes und daher auch seines Vertrauensins Stift.
Hieher gehört Johann Hauswirt, Sekretär des Stiftes, der in der Lage war,vom bekannten Musikmeister Erzherzog Karls II. in Graz, Johannes de Cleve, einengroßen musikalischen Kodex anfertigen zu lassen und dem Abte mit einem lateinischenPoem zu widmen( 1574). Seine Hochschätzung für den Abt erhellt aus dem Distichonnumerale dieser Widmung:
Res prope CoLLapsas Tratnere Ioanne
ACCIplens Inopls sceptra MonasterII( 1562) 23).
Näheres über Hauswirt erfahren wir aus seinem in Aflenz erhaltenen Grabstein 24).
21) F. Eichler, Aus einer österreichischen Bibliothek( Graz 1909), S. 12, 23; ders.; AusgewählteBucheinbände des 15. und 16. Jahrhunderts, in Sammlung bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten( Beiträgezum Rollen- und Platteneinband im 16. Jh.). H. 46, S. 115 ff. mit Abb. 2 auf Tafel III.
22) Weixler- Zahn, S. 75 ff., 129 ff., besonders S. 130.
23) Diese Handschrift war Nr. 1 der alten Handschriftensammlung von St. Lambrecht und ist seitder Aufhebung des Klosters in der Universitätsbibliothek in Graz unter Nr. 20; vgl. O. Wonisch, DieSt. Lambrecht- Grazer Handschriften( Zentralblatt für Bibliothekswesen, 35. 1918. S. 67); A. Kern, DieHandschriften der Universitätsbibliothek Graz, Bd. I, Hs 20. Die Buchstaben IHB auf dem Einband sindmit Johann Hausbirt( Hauswirt) aufzulösen. Das Epigramm de S. Lamberto sowie das Gedicht über dasWappen des Stiftes in dieser Handschrift sind gedruckt in THEMELIOSIS sive Compendiosa... com-memoratio fundationis Lambertinae Abbatiae... studio et labore Georgii Virici Chemnicensis inlucem edita... Salisburgi... anno MDCIV, pag. 96, bzw. 80. Vgl. auch H. Federhofer, Zur Neu-ausgabe der vierstimmigen A- capella- Messe„ Vous perdes temps" von Johannes de Cleve, in„ Aus Archivund Chronik", 2. 1949. S. 53 und 57 f. Derselbe Verfasser beschäftigt sich mit Hauswirth auch in seinemAufsatz: Jugendjahre und Lehrer Rogier Michaels( Archiv für Musikwissenschaft, 10. 1953. S. 226,Anm. 2 und 3), wo er auch die ihm von mir bekanntgegebene Grabinschrift( s. nächste Anm.) abdruckt,sowie auch in„ Neue Chronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischen Alpenländer",Nr. 13( Beilage zur Südost- Tagespost, Graz 1953, Nr. 84 vom 12. 4. 1953, S. 3).
24) Einfache Steinplatte, stark verwittert, mit folgender Majuskelinschrift:
Deo immortali sacrvm.
Joanni Havswierd Pvrchvsio Boio
Sacri Lateranensis) Palatii comiti potentiss( imo)
Primum Ferdinandi I. Rom( anorum) Imperatoris) puero( rum)
Mvsices praeceptoris, deinde Sereniss( imi)
Principis Caroli Archid( ucis) Austriae etinferioris eivsdem provinciarum Cameraenecnon celebri monasterio ad s. Lam-bertvm a secretis, praepositvrae tandemAflentz praefecto vigilantiss( imo), viroeximio cvm doctrina tvm morvm probita-te ornato et catholico Anna conivnxmoestiss( ima) marito desideratiss( imo) deqvese plvrib( us) nominib( us) opt( ime) merito poni cv-ravit. Obiit pridie idvs Ian( uarii) annoMDLXXVIII aetatis vero svae LVIII.
( Wappen unkenntlich)
Diese Inschrift ist an einer Stelle nicht ganz klar, wo sie von Hauswirts Stellung bei Erzherzog Karlhandelt. Nach meiner Meinung war Hauswirt die richtige Lesung des wohl fehlerhaften Textes voraus-gesetzt- nicht Kammerherr des Erzherzogs, sondern Sekretär des Erzherzogs und der n. ō. Kammer. Überdiese Einrichtung vgl. A. Me 11, Grundriß der Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte des Landes Steier-mark( Graz 1929), S. 432 u. ö.
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