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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
Entstehung
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Einleitung

A. Die PASSIO DOMINI

1. Handschriftliche Überlieferung

Die Handschrift, die für diese Publikation in Betracht kommt, wird in der Bibliothekdes Benediktinerstiftes St. Lambrecht in Steiermark aufbewahrt. Sie ist ein unscheinbaresPapierheft in Quartformat, 16: 20 cm, und enthält 51 Blätter, die von P. Bruno Quitt( 1900) paginiert wurden. Sie ist nicht in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.Es fehlen von der ersten Lage Blatt 1, 2 und 8, von denen allerdings Blatt 1, wie auchdas letzte Blatt des achten(= Schluß-) Bogens auf den Umschlag geklebt erscheinen.Die Lagen 2-6 sind vollständig, hingegen umfaßt der 7. Bogen nur mehr 6 Blätter.Hier fehlen das 1. und 6. Blatt ¹).

Der Einband besteht aus einem Pergamentblatt einer Handschrift des 15. Jahr-hunderts mit dem Text einer Taufwasserweihe mit Choralnoten 2). Das innere Deckblattist zum Teil abgelöst. Auf dem inneren Rückendeckel sind Weiheformeln für Eier undandere Lebensmittel, aber erst um etwa 1500, geschrieben. Die Außenseite des rück-wärtigen Buchdeckels scheint früher nicht beschrieben gewesen zu sein. Diesen Umstandbenützte ein Schreiber, vielleicht um es vorwegzunehmen Johannes Geiger selbst,dazu, um den Titel des im Buche selbst enthaltenen Hauptwerkes anzubringen, so daßwir der Arbeit überhoben sind, einen Titel selbst ausfindig zu machen. Zu oberst stehtin der Mitte die Jahreszahl 1606, darunter auf einer Zeile in Kapitalschrift: PASSIODO:, darunter die Fortsetzung auf drei Zeilen in Buchschrift: mini nostri JesuChristi accomodata in versiculos/ Germanicos a F. J. G.

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Das Pergament ist sehr abgegriffen, so daß man die Buchstaben schon mehr erratenmuß. Besonders die restlichen Zeilen in der unteren Hälfte dieser Seite sind nicht mehrzu lesen, obgleich man einzelne Buchstaben erkennen kann. Aus einer älteren Quelle ³)erfahren wir jedoch, wie die Sätze lauteten: Deus non tentabit te super vires tuas" 4)und: Terrena omnia sunt transitoria".

Die Handschrift enthält von Seite 1- 90 die Passio domini, Seite 91 bringt denAnfang einer Actio comica de S. Theophilo und von Seite 92- 102 denDialogus in Epiphania domini( siehe auch S. 22).

1) Das Wasserzeichen konnte ich nicht identifizieren. Außer in St. Lambrecht begegnete ich ihmauch in zahlreichen Akten des Stadtarchivs Villach, eines Handelsplatzes, aus dem St. Lambrecht zahlreicheWaren bezog. Die Provenienz des Papieres könnte demnach kärntnerisch oder italienisch sein.

2) Zwischen den untersten Notenlinien findet sich gestürzt eingetragen der Name PAULUS, der sichentweder auf Paul Eder, der von 1600-1610 als Mönch im Kloster lebte, oder auf den jüngeren Mönchdesselben Namens, der 1614- 1657 dem Stifte angehörte und zeitweilig als praefectus chori tätig war,beziehen könnte.

3) P. Aemilianus Graff, Catalogus monasterii S. Lamberti, 1772, sectio VII., ascetae, Fol. 347.Handschriftlich im StA.

4) 1 Kor. 10, 13.

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