Eine interkulturell vergleichende Wissenschaft im Sinne Hoffmann-Krayers benötigte eine möglichst breite Basis an nationaler ethnologischerForschungsliteratur und an Belegen. So hat sein Nachfolger- nicht nur alsBibliograph- Robert Wildhaber zu Recht 1960 darauf hingewiesen, daß dieBände der ,, Volkskundlichen Bibliographie" von Beginn an nicht nurdeutschsprachige, sondern auch wichtige Titel der europäischen Volkskundeenthielten.6 Dessen Nachfolger wiederum im Schweizerischen Museum fürVolkskunde, Theo Gantner, hat kürzlich anhand der Sammlungsrichtlinienund-praxis im ersten Viertel unseres Jahrhunderts verdeutlicht, daß diesesHaus bis heute ,, ein Museum mit Sammlungsbeständen aus allen Teilen vonEuropa" sei ,,, das sich in der Schweiz, in Basel befindet." 7 Zusam-menfassend: Das Modell von ,, Vulgus in populo" sollte ausgefüllt werdendurch den Vergleich von nationalen bzw. regionalen kulturalen Verhaltens-weisen, Eigenschaften ,,, Sachgütern"( Gantner), und so ,, aus der Summeder Einzelheiten Schlüsse auf das Generelle zu ziehen." 8 Eine Frucht dieserMethodik ist zweifellos das ebenfalls von Hoffmann- Krayer mitkonzipierte,, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens"( 1927- 1942).⁹ Doch zu-rück zur IVB. Die Systematik, die ich 1988 vorfand, entsprach noch über-wiegend der Struktur von 1917. Lediglich wenige neue Forschungsschwer-punkte waren additiv aufgenommen worden. Zuletzt am Band 1975/76( 1979) hatte Rolf W. Brednich geringfügige Systematikänderungen vorge-nommen: Das Kapitel I( Gesamtvolkskunde) war im allgemeinen Teil der,, International Bibliography of Social and Cultural Anthropology" angegli-chen worden und die Systematikgruppe XXII( Namen) wurde aufgegeben.10Titel zur Namenkunde fanden Platz in den Kapiteln Sprache oder Siedlung( z.B. Ortsnamen). Aber selbst diese geringfügigen Korrekturen führten zueiner warnenden Kritik aus Belgien."
Methodische Grundzüge einer vergleichenden Ethnologia Europaeadrückten( und drücken sich teilweise weiterhin!) in der Systematik aus:
Z.B. in der Aufschlüsselung einiger Kapitel in 17( bis 18) ,, geographischeund ethnographische“ Einheiten, die sich jedoch von Sprachgebieten her
6 Robert Wildhaber, Das Werden und die Aufgaben der Internationalen Volkskund-lichen Bibliographie. In: Humaniora. Essays in Literature, Folklore, Bibliog-raphy. New York, 1960. S. 219-228.
7 Theo Gantner: Regional- Stereotypik und Emblemcharakter bei Sachgütern. In:Jahrbuch für Volkskunde. NF 15, 1992. S. 116 – 124.
8 Wie 5. S. 32.
9 Vgl. hierzu das Vorwort von Christoph Daxelmüller( S. V- XL) im unverändertenNachdruck von 1986.
10 Hierzu: Rolf W. Brednich: Die internationale Volkskundliche Bibliographie. In:Ethnologia Europaea 10, 1977/87. S. 185- 191.
11 Stefaan Top: Het plan- Hoffmann- Krayer gewijzigd. In: Volkskunde 80( 1979).
S. 311-318.
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