Die Systematikdiskussion der IVB- Mitarbeiter alsAustausch von europäischen( Volks-) Kulturmodellen
Von Rainer Alsheimer
,, Mit der Seele des Bibliographen ist es aber also beschaffen: Vier Eigenschaftenruhen auf ihrem Grund, und sie sollten selbst dem nicht fehlen, der sich nicht dauerndoder aus eigenem Antrieb, sondern gelegentlich oder auftragsweise dem Titelver-zeichnen hingibt... Die erste Voraussetzung ist irgendeine Teilnahme an Büchern, dieweder rein geistig noch bibliophil zu sein braucht. Man kann sie lediglich als Wareansehen. An zweiter Stelle steht die Genügsamkeit. Bibliographien schreiben, heißtentsagen. Zum dritten gehört Pedanterie dazu. Sie kann in bloßer Andacht zumUnbedeutenden bestehen; sie kann in höherem Sinne der des Goetheschen Altersgleichen, wird dann zugleich Vorliebe für Systematik bedeuten und ein Name sein fürOrdnungssinn, Genauigkeit, Geduld. Den nächsten, den letzten Platz beansprucht derSammeltrieb; es gibt nicht nur Praktiker, sondern auch Theoretiker der Biblio-graphie." 1
Mit diesem Zitat Georg Schneiders, des Herausgebers des ,, Handbuch derBibliographie" von 1923 habe ich mich vor fünf Jahren als neuer Herausge-ber der Internationalen Volkskundlichen Bibliographie( IVB) der Fachöf-fentlichkeit vorgestellt.² Ich ahnte schon damals, daß die dritte Eigenschaftdes Bibliographen, nämlich ,, die Vorliebe für die Systematik", auf eine harteProbe gestellt werden würde, denn meine beiden Vorgänger, James R. Dowund Rolf W. Brednich, hatten in dem Vorwort zum letzten von ihnengemeinsam erstellten Band der IVB 1983/84( 1988) angedeutet ,,, daß dasgegenwärtige Klassifikationssystem problematisch ist und der Revisionbedarf." 3
Man hat Fachbibliographien zuweilen als Spiegel der Disziplinen be-zeichnet. Wenn man dieses Bild übernimmt, dann kann man zwei Spiege-lungsebenen unterscheiden: Die Titel zeigen durch ihre quantitative Häu-
1 Georg Schneider: Die Bibliographie und die Menschen. In: Handbuch derBibliographie. Leipzig, 1923. S. 21.
2 Rainer Alsheimer: Die Internationale Volkskundliche Bibliographie( IVB) aufdem Wege zu einer Institutionalisierung. In: Ethnologia Europaea 19, 1989.S. 203- 205.
3 Internationale Volkskundliche Bibliographie... für die Jahre 1983 und 1984. ImAuftrag der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e. V. hg. von James R. Dowin Zusammenarbeit mit Rolf W. Brednich. Bonn, 1988. S. VI.
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