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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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EMIL BAUMANN

EIN TIROLER KRIPPENBAUER UNSERER ZEIT

VON JOSEF RINGLER

We enn man die Tiroler Krippenkunst unserer Tage überblickt, muß manleider eine gewisse Erstarrung sowohl in formaler als auch in gedanklicherHinsicht feststellen. Der Typus der Thaurer Krippen, der nahezu ein Jahr-hundert lang die nordtirolische Krippenkunst beherrschte, ist völlig imSchwinden begriffen; die quälende Raumnot unserer Städte und ihrer Woh-nungen zwang zu einer großen Einschränkung, sowohl in den Ausmaßen,wie auch in der Zahl der Darstellungen. Der von Josef Bachlechner geschaf-fene Typus der flachen Reliefkrippe mit verstellbaren Figuren hat sich nichtdurchgesetzt, Bachlechners Figurenstil hat aber nach dem Abkommen dersogenannten orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischen" Krippen viel Anklang im Volke gefunden, kamdem Empfinden des Volkes sehr entgegen und hat dem Namen der TirolerKrippe wieder einen neuen Sinn verliehen. Die große Menge der heute vonberufsmäßigen Schnitzern hergestellten Krippen sind noch kleiner im Aus-maẞ als die Bachlechner Krippen", sie können trotz Raumnot bei einigemguten Willen in jeder Wohnung Platz finden. Der Schöpfer dieser Gattungvon Tiroler Kleinkrippen war Ludwig Penz, dessen bedeutsame und künst-lerisch hochstehende Leistung von den Krippenfreunden seiner Zeit, nament-lich den bäuerlichen Krippenfreunden, nicht erkannt und daher auch nichtgeschätzt wurde. Erst die berufsmäßig geschulten jungen Bildhauer habenunter dem Einfluß ihrer Lehrer sich zu der nur auf die Darstellung desWesentlichen abzielenden Stilrichtung bekannt und haben ihr weitgehendeVerbreitung gesichert. Es sind nun durchwegs komponierte Krippen mitknapper Andeutung des örtlichen Milieus, sei es nun eine Grotte, ein offenesStallgebälk, eine Ruine oder ein Stadl. Den einzelnen Figuren ist ein be-stimmter Platz im Gesamtbilde angewiesen, sie können nicht mehr beliebigda oder dort aufgestellt werden. Schon droht auch dieser Typus wieder zumSchema zu erstarren. Der ursprüngliche Einfall wird mehr oder wenigervariiert, der Unterschied besteht nur darin, daß die eine dieser Krippenrassiger und besser geschnitzt ist als die andere. Das führt schließlich zueiner rein künstlerischen Wertung; um diese aber handelt es sich bei echterVolkskunst nicht, artistische Momente treten da in der Rangordnung weiterzurück.

Es ist höchst erfreulich, daß von nicht fachlicher Seite, von keinemBerufsbildhauer, sondern von einem völlig ungelernten Liebhaber nun neueGedanken und neue Gestaltwerdungen in die tirolische Krippenkunstunserer Zeit getragen werden. Und dieser Mann ist ein Innsbrucker Bürger,ein landauf, landab bekannter passionierter Krippenfreund, dessen ganzesSinnen und Trachten das ganze Jahr hindurch der Krippe gehört, gleich-gültig, ob es sich um die vorweihnachtlichen Wochen handelt oder um dieHundstage im August.

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