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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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KASIMIR BRUNNER, EIN TIROLER ALS KISTLERMEISTER

UND VOTIVTAFELMALER IN BAYERN

VON ERWIN RICHTER

Nicht zuletzt haben die wichtigen und stets anregenden volkskundlich-kulturgeschichtlichen Arbeiten der in vorbildlicher Forschergemeinschaftwirkenden beiden Meister der historischen Volkskunde Österreichs EdmundFrieß und Gustav Gugitz uns die junge religiöse Volkskunde als bedeuten-den Zweig der Geistesgeschichte sehen und werten gelehrt. Lieferten beiihnen vornehmlich die Mirakelbücher den Stoff, aus dem die Volksglaubens-forschung reiche Erkenntisse zog, sollen in vorliegender Studie einmal ineinem Sonderfall eine oberbayerische pfarramtliche Familienchronik undnordtiroler kirchliche Matrikelregister in inniger Verbindung mit einer imVordergrund dazu stehenden beschrifteten Votivtafel eines Tirolers inBayern als volkskundlich- historische Quelleneinheit zusammen gesehenihren wissenschaftlichen Aussagewert erweisen. Das allzu bescheidene Trak-tätlein sei vom Verfasser dem verehrten Altmeister Gustav Gugitz zur80. Wiederkehr seines Wiegenfestes wenigstens als sinnempfundenes Zeichenwissenschaftlich- freundnachbarlicher Verbundenheit präsentiert.

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Eine echt volkskünstlerische Votivtafel aus der Sammlung des Verfas-sers, welche die Jahreszahl 1838 aufgemalt trägt, ist auf der Rückseite mitBleistift signiert. Kasimir Brunner Kistler von Tegernau" ist in klarerdeutscher Schrift darauf geschrieben und vor Kistler" wurde der Titel,, Meister" offenbar hinterher etwas eingezwängt davorgeschoben. Schondie gute Profilierung des Rahmens mit aufgeleimten Eckverzierungen unddie Schnitzarbeit im bekrönenden Aufsatz mit Zierschleife und Girlanden-schmuck verraten den ländlichen Möbelschreiner. Auch kann die wirkungs-voll abgestimmte Tönung des Farbanstrichs, der dekorative Stil des Votiv-bildes, die Verwandtschaft mit der Malerei auf den Bauernkästen der Zeitnicht verleugnen.( Abb. 43.)

Eine weitere mit Bleistift geschriebene Signatur, ebenfalls rückwärtigauf einer anderen, nur einige Jahre jüngeren oberbayerischen Votivtafel imBesitz des Verfassers angebracht, gibt uns die Gewißheit, daß die Schreiner

wenigstens auf dem Lande- die von ihnen angefertigten Schränke undebenso in Rohholz vorbereiteten Votivgaben auch selbst bemalen konnten.Der betreffende Herstellungsvermerk lautet nämlich: gemacht und gemahlenvon Joh. Pap. Huber Kistler Meister in Heimaths Hofen 1843". Eine noch-malige Bestätigung liefert die bemalte Vorderwand eines dem Verfassergehörenden oberbayerischen Bauernbettes in dem mitten in der ausgesprochengenrehaften Malerei eingetragenen Handwerkermerkzeichen: B. F. bin Kmt(= Kistlermeister) in Fählenbach(= Feilnbach) 1834."

Die der Signatur auf der Votivtafel des Kasimir Brunner beigegebeneOrtsbezeichnung Tegernau reizte dazu, an Ort und Stelle Nachforschungenanzustellen. Tegernau ist eine kleine Ortschaft im Osten des oberbaye-

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