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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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LA CONFRERIE DE S. SEBASTIEN A MALINES

Zur Geschichte einer Schützenbruderschaft am Hofe der ErzherzoginMargarete von Österreich

VON ELFRIEDE RATH

Unter den Schätzen der Wiener Nationalbibliothek findet sich eine prächtigilluminierte Handschrift ¹), Satzungsbuch einer niederländischen Bruder-schaft, die auf ihren Quellenwert hin meines Wissens noch nicht untersuchtworden ist. Und doch ist sie gerade in dieser Hinsicht bedeutend: für dieGeschichte der habsburgischen Regentschaft und des Großen Rates der Nie-derlande, für Persönlichkeiten der flandrischen Geschichte und

was uns

am nächsten liegt für Werden und Wesen einer Bruderschaft eigenartigenCharakters. Fast zweieinhalb Jahrhunderte hindurch lassen die Aufzeich-nungen uns religiöse und weltliche Gesellschaftsformen einer höfisch- aristo-kratischen Sphäre verfolgen.

Es handelt sich um einen Band von vierundsechzig Blatt starkem Per-gament, von denen etwa die Hälfte beschrieben sind. Der braune, reichlichmit Goldprägung gezierte Ledereinband zeigt an den Längskanten Spurennicht mehr vorhandener Metallschließen. Auf den ersten Blättern neben-einander zwei Miniaturen: links eine Kreuzigungsgruppe, rechts eine Dar-stellung des Martyriums des hl. Sebastian, beide umrahmt von den großen,naturalistischen Blumen-, Vogel- und Insektenmotiven, die aus der flämischenBuchmalerei so wohlbekannt sind( Abb. 33). Das war Werkstättentraditionum 1500 und darüber hinaus 2). Die Miniaturen selbst sind individueller,dürften bereits im Zeichen der Romanisten" innerhalb der niederländischenMalerei stehen, also etwa dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts zuzu-schreiben sein 3). Der Künstler mag einer der Werkstätten wie etwa jenerder Malerfamilie Bening in Brügge, Gent oder Antwerpen angehört haben.die unter dem Patronat des burgundisch- niederländischen Hofes arbeiteten.

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Blättern wir um, so bestätigt sich an den ganzseitig prangenden Wappendiese unmittelbare Verbindung zum Hof 4): Es sind die Wappen jener Per-sönlichkeiten, die in der habsburgischen Regentschaft der Niederlande diebedeutendste Rolle gespielt haben. Das erste ist schon mit dem blauenSpruchband Fortune infortune fort une", dem Wahlspruch der Margaretevon Österreich, Tochter Maximilians I., gekennzeichnet 5). Der Text unter-halb des Wappens ,, fille a Casar/ La Marguerite Daustrice/ source de pairvasseaux d'honneur de ceste confrarie fondatrice.. gibt auch zuverstehen, welche Rolle ihr innerhalb der Bruderschaft zufiel. Hingegen wirdunter dem zweiten Wappen auf der nächsten Seite ihre Nachfolgerin, Mariavon Ungarn, seur a Cesar, Fleur de noblesse" als Restaurice de ceste Con-frarie" genannt. Das dritte ist ein Doppelwappen, den Kronen nach einErzherzogspaar bezeichnend, mit zügiger Hand Isabella clara eugenia"unterschrieben. Wie wir später nachweisen werden, handelt es sich um dieOriginalunterschrift der Infantin, Tochter Philipps II., die nach dem Tode

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