EIN BAROCKES PROZESSIONSFEST IN KÄRNTEN
VON OSKAR MOSER
Keine Stilepoche der Kunst hat so viel festliche Formen gefunden wie dasBarock, keine Zeit so großartige Feste gefeiert wie diese. Während aber dieBarockkunst längst zu einem tragenden und weithin bekannten Begriff ge-worden ist, nimmt die Idee der barocken Festfeier in unserem allgemeinenGeschichtsbewußtsein noch keineswegs die Stellung ein, die ihr als einerdynamisch und eigenwillig gestaltenden Macht ersten Ranges zukommenmüßte. Wie sehr diese barocke Festidee auch das Volk ländlicher Kreise zuerfassen vermochte, mag ein Beispiel im folgenden zeigen. Man denke alsohiebei nicht zuvörderst an die großen und säkularen Festlichkeiten, andenen zum Beispiel die Geschichte der Habsburger so reich ist ¹) und überdie uns eine Fülle von Berichten und z. T. kostbaren Drucken mit umständ-licher Ausführlichkeit unterrichten 2). Solches war, was nicht übersehenwerden darf, nicht nur dem Barockzeitalter eigen, sondern gehörte zumGeleit und Aufgebot um Fürsten und Kaiser aller Zeiten und war etwa imMittelalter nicht minder gebunden an die Entfaltung von Prunk und Prachtals zur Zeit Maria Theresias. Soviel Beachtliches und bisher noch kaumErhobenes nun auch die Volkskunde in diesem Umkreis zu finden ver-möchte, die eigentlich barocke Festdomäne greift ungleich breiter aus underfaẞt bei der engen Verklammerung des barocken Weltbildes mit Kult undkirchlicher Restauration gerade in den innerösterreichischen Ländern vieltiefere Schichten des Volkslebens und ganz andere Bezirke der Volkskultur.Wenn heute auch in diesem Blickfelde unsere Sichtweite schon größer ge-worden ist, so verdanken wir dies weniger den Bemühungen der großenGeschichtswissenschaft, als dem stillen Bienenfleiß und der unermüdlichenKleinarbeit namentlich der Theaterwissenschaft sowie einzelnen Zweigeneiner kulturgeschichtlich orientierten Volkskunde. Gerade das reiche undreife Lebenswerk eines markanten Vertreters der letzteren in Österreich,Gustav Gugitz', ermahnt und ermutigt immer wieder, auch dem scheinbarUnbedeutenden eines recht vergessenen Zeitalters und dem kleinsten FundAufmerksamkeit zu schenken, gewinnen diese doch aus der Blickschau, dieuns hier freigemacht worden ist, wesentlichen Halt und Hintergrund.
Unsere Nachricht über ein ländliches Prozessionsfest zur Barockzeit inOberkärnten verdient indessen auch noch in einer anderen Hinsicht einigeAufmerksamkeit. Wir verdanken sie einem Manne, der in der Geschichteder Volkskunde Kärntens fürderhin nicht mehr zu übergehen sein wird,nämlich Johann Heinrich Ainether von Aineth. Einem KärntnerDienstmannengeschlecht aus der Gegend zu Afritz entstammend, warAinether 1702 bis 1707 Hofrichter des Benediktinerklosters Arnoldstein.Schon hier bewies er sein großes geschichtliches Interesse als Verfasser einerChronik und Beschreibung von Arnoldstein( 1107-1707) 3). Sein Haupt-wirken aber fällt in die Zeit von 1710 bis 1734 als Pfleger und Bestands-inhaber der gräflich Widmann'schen Freiherrschaft Paternion. Seine Vorliebe
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