SCHIFFERBRAUCH UND VOLKSSCHAUSPIEL IM ALTEN LAUFEN
VON HANS MOSER
Nachdem der von Gustav Gugitz wieder entdeckte und in seiner geistes-geschichtlichen Bedeutung für die Josefinische Aufklärung gewürdigteNiederbayer Johann Pezzl¹) dem Schiffertheater in Laufen das erste litera-rische Denkmal gesetzt hatte 2), mußte fast noch ein Jahrhundert vergehen,bis dieser Hinweis von der jungen Volksschauspielforschung aufgegriffenund wissenschaftlich verwertet wurde. Angeregt durch die GeschichteLaufens von Joseph Ernst Ritter von Koch- Sternfeld kam August Hartmannauf der Suche nach Spieltexten an die Salzach und konnte dort eine Reihevon Stubenkomödien aufzeichnen und Einblick in den Spielbestand einer dernoch agierenden Schiffergesellschaften nehmen 3). Es folgte ein Jahrzehntdanach eine sehr erweiterte und kommentierte Liste des überkommenenSpielguts, die Herausgabe eines Don Juan- Spiels und eine Darstellung derGeschichte des Laufener Schiffertheaters auf Grund archivalischer Quellenbis 1784 zurück durch Richard Maria Werner 4). Eine Notiz in SalzburgerHofdiarien über eine burleske Komödie von 1762 ergab den vereinzeltenältesten Beleg. Eine Standesvolkskunde des Laufener Schiffertums von KarlAdrian bezog Abschnitte über das brauchtümliche Spiel und das Wander-theater der Schiffer mit ein, ohne zur Spielgeschichte noch etwas wesent-liches Neues liefern zu können 5). Erst 1937 konnte dann Franz Martin ausSalzburger Universitäts- Tagebüchern noch ältere Komödien- Gastspiele derLaufener Schiffer für 1746 und 1747 bringen: ein Spiel von einem Teufel, denPluto auf die Welt schickt, um zu heiraten und die von den verdammtenMännern beklagten Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber zu prüfen, ein Interludium von Hanswurst undeinigen Kapuzinern, eine„ Comedi von Tito", eine„ Histori de Alphonsiperegrinatione in Terram Sanctam" mit Hanswurstszenen und„ ein ganzlustiges Spill von einem Marktrichter" 6).
Adrian glaubte einen Bezug auf auswärtige Spiele Laufener Schiffer fürBurghausen 1642 gefunden zu haben 7). Ich gebe die Stelle, auf die sich dieserHinweis bezieht, nun wörtlich aus der Burghausener Kammerrechnungdieses Jahres 8); es heißt da unter den„ gemeinen Einnahmen“:„ Am Jahr-markt Jakobi von ainem, genannt Hannẞ Steffringer von Lauffen, welchersich mit ainem glickhshafen hie befunden und an 4 Tag lang offentlich dareinspillen lassen... 1 fl 30 kr./ Desgleichen hat auch sein Stiefsohn LeonhardtSenif, auch von Lauffen, welcher sich mit Springen vnd andern Kunstensechen lassen und gebraucht, für den Danzpoden sonderbar bezalt 1 fl 15 kr".Dann, nachdem zum Jahrmarkt Galli„ von ainem Commedianten namensMichaeln Mayr von Abensperg" die Mietgebühr für den oberen Tanzbodenverrechnet ist:„ Ebenmessig den Sonntag hernach zalt Johann Senff vonLauffen, ain Daschnspiller vnd Gaugler, fir den herobern Danzpoden 1 fl".Später, 1660, kommt anscheinend der Gleiche nochmals:„ Joh. Senfft, Taschen-spillern zu Lauffen ist verwilliget worden, auf dem Rathaus mit der Taschen
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