VOLKSKUNDLICHES AUS DEM NORDTIROLER UNTERLAND
Nach archivalischen Quellen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert
VON MATTHIAS MAYER
Nach den Vorschriften der Trienter Kirchenversammlung vom Jahre 1563sollten in jedem Bistum und jeder Kirchenprovinz Synoden stattfinden. InSalzburg wurden erstere in den Jahren 1569 und 1573 gehalten. Ihnen folgteeine Provinzialsynode im Jahre 1576. Nach diesen mußte in jedem Bistumeine Visitation durchgeführt werden, um die Zustände der einzelnen Kirchenund des religiösen Lebens aufzunehmen und zu bessern. Im Bistum Chiemseefand eine solche Visitation noch vor 1589 statt, von der uns aber scheinbarkeine Berichte erhalten sind. In der Diözese Salzburg selbst war erstmals1614, dann 1620, 1625 und hernach wiederholt eine. Sie wurden später durchöftere Visitationen der Dekane ergänzt ¹). Die Berichte darüber sind imOrdinariatsarchiv Salzburg und für die Dekanatsvisitationen des TirolerAnteils im Dekanatsarchiv Zell am Ziller erhalten.
Dieses Nordtiroler Unterland, das die Gebiete von Rattenberg, Kufsteinund Kitzbühel umfaßt, gehörte einesteils, soweit es das Zillertal rechts diesesFlusses und das Inntal betrifft, schon seit undenklichen Zeiten wie heute nochzur Erzdiözese Salzburg, andernteils mit den östlich davon gelegenenPfarreien Brixen i. T., Söll, St. Johann i. T., Kirchdorf und den zugehörigenFilialen aber zum Bistum Chiemsee, das erst im Jahre 1803 aufgehobenwurde.
Wir erfahren aus den verschiedenen Visitationsberichten mancherleivolkskundlich Interessantes aus dem religiösen Bereich. Das Bemerkens-werteste daraus soll, vermehrt um ein paar Notizen aus Kirchenrechnungen,dem verehrten Geburtstagskinde und großen Forscher über Volkskunde zuEhren im Folgenden wiedergegeben werden.
Beinahe überall standen damals noch die alten gotischen Kirchen mitihren Tafelaltären. An deren Unterbau, der sogenannten Predella, oderauch am Schrein selbst, befand sich rückwärts fast stets das auf Holzgemalte Bild des Erlösers. Die Leute hatten die Gewohnheit, vondiesen Holztafeln Späne herauszuschneiden und diese in abergläubischerWeise zu verwenden 2). Deutlich heißt es im Visitationsbericht des Jahres 1625über Reith bei Brixlegg:„ Rückwärts des Hochaltars ist eine Blech-tafel angeschafft worden, damit diese nicht weiter in mifbräuchlicher Weisezerschnitten werden könnte." Zur Verdeutlichung dient die Nachricht aus demJahre 1614, die vom gleichen Altar sagt:„ Beim Hochaltar, der rückwärts dasBild des Heilandes hat, aus dem herausgeschnitten wurde( excisam imaginemSalvatoris habet), soll dies auf einem Eisenblech gemalt werden und dierückwärts ausgehöhlte Stelle( locus retro excavatus obstruatur) soll zuge-deckt werden!" Ähnlich wird bei Alpach 1614 berichtet:„ Der Hochaltardes hl. Oswald hat rückwärts das zerschnittene Bild( concisam imaginem) desHeilandes. Daher soll es auf Eisenblech gemalt werden und die Tücher,
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