zurückzuführen, daß man auf den Geschmack der zu beliefernden Völkereinging. Neben den Ungarn, die durch eine ungarische Inschrift belegt sind,waren es wahrscheinlich die slawischen Völker im Osten und Südosten derDonaumonarchie, die vornehmlich beliefert wurden und auf die die schwarz-goldenen Farbenzusammenstellungen hinweisen, die an das Gold der Ikonender orthodoxen Kirche anklingen.
Die Toten und ihre Erhaltung
Bereits 1842 beschrieb Adalbert Stifter einen Toten aus den Katakombenvon St. Stephan und den Eindruck, den er beim Anblick der halbverwestenLeiche erhielt 37). Doch sind nicht alle Leichen in dem durch besonders gün-stige Umstände mumifizierten Zustand, wie Stifter es beschreibt. Sie weisenvielmehr in ihrer Gesamtheit alle Grade der Verwesung auf, angefangenvon vollkommen trockenen Leichen mit steifer Haut über die feuchten in Zer-setzung befindlichen dunkelbraunen bis schwarzen Körper, die durch ihrenGeruch die noch im Gang befindlichen Prozesse aufzeigen, bis sogar zu denim Zerfall befindlichen Skeletten, von denen nur noch einige Rückenwirbelund die Zähne übrig geblieben sind. Wieweit hier die Lagerung auf Hobel-scharten eine Rolle spielt oder die Holzart derselben, muß von zuständigerSeite beantwortet werden.
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Und dasselbe gilt für die Kleidung der Toten. Die sensationslüsternenBesucher der Grüfte, die nur die eine oder andere gut erhaltene Leiche zusehen bekommen, tragen ihre falsche Vorstellung auch in die Presse und dasMärchen von den wunderbar erhaltenen Kostümen des 18. Jahrhundertsdringt dann in die breite Öffentlichkeit. All das entspricht nicht den Tat-sachen. Wissenschaftlich wertvoll ist nur ein einziges Kostüm es handeltsich hier um ein höfisches weibliches Trauerkleid aus Seide und nur des-halb, weil die Kleidung der Toten nicht mehr angezogen, sondern auf siegelegt wurde und nur die Ärmel auf die Arme aufgesteckt wurden. Alleanderen Kleidungen sind, obwohl aus Seide, nur mehr in Stoffetzen abnehm-bar und täuschen nur in ruhiger Lage einen guten Erhaltungszustand vor 38).Wieweit der Zerfall von Körper und Kleid verschieden sein kann, beweistein nackter weiblicher Leichnam in der Gruft, der als Beweis angegebenwird, daß Kaiser Joseph II. nur Nacktbestattungen zugelassen hatte. Auchdies ist vollkommen falsch. Diese Frau war vollkommen angezogen, nurzerfiel ihre Kleidung gänzlich, während sich die Leiche durch ein seltsamesSpiel der Natur infolge vollkommener Austrocknung ganz erhalten hat;Spuren des zerfallenen Kleides- es war eine braune Bruderschaftskuttefanden sich noch zwischen den Hobelscharten der Einbettung. Die Zersetzungder noch vorhandenen Textilien schreitet aber weiter, der beste Beweis dafürist das Vorhandensein von Motten in den Grüften von St. Michael.
Statistisch ergibt sich der geschilderte Zustand schon dadurch, daß vonden 221 Toten der Holzsärge 82 als weiblich, 30 als männlich bestimmt wer-den konnten, während 109 unbestimmt blieben 39).
Die Totenbeigaben
Nicht viel anders verhält es sich mit den Totenbeigaben. Deshalb ist auchdie wissenschaftliche Ausbeute mehr als entmutigend, wenn man sie zur auf-gewendeten Arbeit in Verhältnis setzt.
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