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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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DIE GRUFTBESTATTUNGEN ZU ST. MICHAEL IN WIEN

Bruderschaften, Bestattungen, Sargmalerei, Totenbeigaben

VON ADOLF MAIS

Die folgenden Ausführungen sollen einen Bericht über die in den Jahren1951 und 1953 durchgeführten Untersuchungen der Massengrüfte von St. Mi-chael in Wien darstellen und auch die in diesem Zusammenhang erschlosse-nen Quellen des Pfarrarchivs von St. Michael allgemein zugänglich machen.

Die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung war schon deshalb ge-geben, weil man bis heute nichts über etwaige Sargbemalungen vergangenerJahrhunderte gewußt hatte und überdies berechtigter Grund vorlag, aucheinige neue Einzelheiten des Wiener Bestattungswesens im 18. Jahrhunderterfahren zu können.

Die Einbeziehung der Bruderschaften zu St. Michael in die vorliegendeArbeit wurde aus dem Grunde durchgeführt, weil sie alle im engen Zu-sammenhang mit dem gestellten Thema stehen.

Die Bruderschaften zu St. Michael

Nach den Aufzeichnungen des Kirchen- und Pfarr- Protocolls der Kay-serlichen St. Michaels Hof- Pfarr- Kirchen in der Kayserlich. und Landes-Fürstl. Residenz- Stadt Wienn", das von den Barnabiten im Jahre 1775 an-gelegt wurde, hatten in der Kirche zu St. Michael sechs Bruderschaftenihren Sitz.

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a) Die Bruderschaft des zarten Fronleichnams unseres Herrn JesuChristi") ist die älteste Bruderschaft bei St. Michael und geht vermutlichauf die der Feuersbrunst von 1350 folgenden Jahre zurück. 1357 wird die,, Gottsleichnams Zöch" anläßlich einer Stiftung eines ewigen Lichtes zumFronleichnams- Altar durch die Witwe Salome Ullrich und ihren Sohn schonals bestehend erwähnt 2). Von 1415 an bis zum Jahre 1768 folgen 26 weitereStiftungen, die abgesehen von ihrer Stattlichkeit- am besten für diefortdauernde Tätigkeit dieser Bruderschaft zeugen. Bis 1588 blieb die Fron-leichnams- Bruderschaft ohne irgendwelche verbriefte Anerkennung. Durchdie Bemühungen von Sixt Paul Trautson Grafen von Falckenstein, der alsoMitglied dieser Bruderschaft sein mußte woher auch die Familiengruftder Trautson in dieser Kirche erklärlich wird erlangte die CorporisChristi- Bruderschaft von Papst Sixtus V. am 1. Jänner 1588 einen Bruder-schafts- Ablaß und am Vortag des Fronleichnamsfestes 1589( 31. Mai) dieApprobation und Confirmation durch Johann Caspar, Bischof zu Wien ³).Am 13. Dezember 1649 wurden dieser Bruderschaft von Philipp Friedrich,Bischof von Wien, die Regeln und Instruktionen" verliehen. Danach warder Eintritt in die Bruderschaft allen Gläubigen ohne Unterschied möglich.Unter den vorgeschriebenen Andachten ist besonders die vom St. Michaels-Tag( 29. September) bis Ostern an jedem Donnerstag um 7,30 Uhr, vonOstern bis zu Michaeli aber um 6,30 Uhr abzuhaltende Prozession( Corporis

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