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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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HEROLDSBACH

Eine verbotene Wallfahrt der Gegenwart

VON RUDOLF KRISS

Die nachfolgende Arbeit ist Gustav Gugitz gewidmet, nicht nur deshalb,weil er der größte lebende Wallfahrtsforscher Österreichs ist, sondern auch,weil er sich ausgesprochenen Volkswallfahrten zugewandt hat. Darüberhinaus aber erscheint gerade diese Arbeit in einer ganz besonderen Weiseden Forschungen von Gustav Gugitz verbunden, da ja gerade er es war, derdie Akten über Tattendorf in Niederösterreich veröffentlicht hat, eine Wall-fahrt, welche im 17. Jahrhundert von sogenannten Schwarmgeistern aus derNachbarschaft geschaffen worden war und der dann auch die kirchliche An-erkennung versagt geblieben ist ¹). Gugitz hat also bereits über eine verboteneWallfahrt gearbeitet. Was wir für das 17. Jahrhundert nur aus den vonGugitz erhobenen Akten viel zu dürftig wissen, ist uns in der Gegenwartdurch eigene Beobachtungen in Heroldsbach reichlich beschert worden.

Die Schwarmgeister", als welche die Anhänger von Heroldsbach vonder Gegenseite bezeichnet werden, sind uns als Schwarmgeister unseresVolkes und unserer Tage jedoch ebenso wichtig wie diejenigen der Vergan-genheit. Es ist ein Gebot der Wissenschaftlichkeit unserer allmählich reifwerdenden Volkskunde, dies auszusprechen. Ich habe mich als unbefangenerAugenzeuge bereits seit Jahren mit dem Phänomen Heroldsbach befaßt undschon einmal 2) einen zusammenfassenden Bericht darüber veröffentlicht.Meine damalige Abhandlung gibt die Geschichte von Heroldsbach von denAnfängen bis zum Wirksamwerden des kirchlichen Verbotes. Wie ich injenem Aufsatz ausgeführt habe, wurden zwar häufig Warnungen bzw. Ver-bote bereits einmal im Februar 1950 und dann mit größerem Nachdruck imOktober 1950 erlassen, jedoch erst mit der Verhängung zahlreicher Exkom-munikationen während der Sommermonate 1952 begannen die HeroldsbacherAnhänger die Sache ernst zu nehmen und erst von diesem Zeitpunkt an istvon einem Verbotskampf im engeren Sinne zu reden. Es hat sich damit einevöllig neue Entwicklung angebahnt, deren Darstellung bis zur Gegenwartdas Thema dieser Abhandlung ist.

Da jedoch ein unmittelbarer Erlebnisbericht manchmal tiefere Einblickein das Volksleben zu geben vermag als ein wissenschaftlich gegliederter Auf-satz, so sei meiner Darstellung der letzten Entwicklungen eine Augenzeugen-schilderung vorangestellt. Ich wähle hierzu den 9. Oktober 1952 aus, einenTag, der als der dritte Jahrestag des Beginnes der Erscheinungen für dieAnhänger von Heroldsbach von besonderer Bedeutung ist, und den zur

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