Die Vielzahl dieser aus Serbien bis 1933 vorliegenden Einzelbelege ver-anlaßte 1934 Branislav Rusić,„ ,, Noch etwas über das Umgürten von Kir-chen, Klöstern oder das Totenumgürten" nachzutragen 112). Seine Beiträgeverändern das bisher gewonnene Bild nur insoferne, als er die Belegdichteim Südwestteil des ehemaligen Südserbien, der heutigen VolksrepublikMakedonien wesentlich verdichtet, den Brauch als fast ausnahmslos vonFrauen geübt erweist und betont, daß der Umzug mit dem Wachslichtfadenoder der Leinwand immer vom Westeingang der Kirche rechtsherum erfolgtund daß es im Falle der Verwendung von Wachslichtdochten nicht bei einerUmwindung bleiben muß, sondern vielmehr eine( allerdings immer un-paarige) Anzahl von Schnüren( bis zu neun) verwendet wird. Das Umlegender Kirchengürtel erfolgt zu Kirchweih und hier vor allem am Vorabendnach dem Abendgottesdienste oder des morgens darauf vor Sonnenaufgang.Die Kirchenpröbste nehmen den Gürtel nach dem Gottesdienste ab und ver-kaufen ihn an das Volk 113). Der Erlös des Wachsdochtes, der zu Stückenzerschnitten wird, wie man auch die Leinwand nach Metern kauft, gehört derKirche.
Im makedonischen Raume von Prilep, Bitolj( Manastir) undResan nördlich des Presp a- und des Ohrida- Sees ist der Brauch denälteren Leuten in den Städten wie in den Dörfern bekannt. Selbst die großeMaria- Verkündigungs- Kirche zu Prilep war um 1925 mehrfach mit Wachs-dochten gegürtet, wie dies der Brauch der unfruchtbaren und auf Kinder-segen hoffenden Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber( nerotke) vor allem am Kirchweihtage, aber auch zuOstern, Weihnachten, Georgi, Nikolaus usw. sei. Der Ritus ist vom Anfangbis zum Ende von Kreuzzeichen und Gebeten der Opfernden begleitet. Fürdiesen Opfertag legen sich die Frauen Arbeitsruhe auf.
Eigenartigerweise und solcherart genau den nordwestfranzösischenund den lebendigen kärntischen Überlieferungen entsprechend- kann dieseUmgürtung auch an einzelnen makedonischen Orten mit ostkirchlichemRitus, so z. B. im Kloster Vukovo bei Bitolj oder in einer Kirche zuResan auch den Altar allein betreffen, der dann mit Wachsdocht ebenfallsrechtsherum gegürtet wird. Doch scheinen dies Einzelfälle zu sein. Wenig-stens sind nicht viele veröffentlicht. Die Kirchengürtungen selber aber ge-hörten noch in den Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts zum alljährlichenFestbrauch des berühmten Sv. Naum- Klosters am Ohrida- See,das einmal nicht weniger als sechzig solcher Kerzenfadenringe über Nachtvor dem Patroziniumsfeste des Heiligen trug 114).
Ein wenig anders spielt sich der Brauch in der hauptsächlich von Ortho-doxen bewohnten Gegend des Prespa-Sees in Südwestmake-donien ab. Hier üben ihn nicht nur unfruchtbare Frauen, sondern auchMänner, die an einer unheilbaren Krankheit leiden und als deren Folge ihreZeugungskraft verloren haben. Der dringende Wunsch nach Nachkommen-schaft läßt hier oder in ähnlichen Fällen die Eltern und die Schwiegerelterneines kinderlosen Paares die Gürtung im ersten und im zweiten Jahre nachder Vermählung durchführen, während es im dritten die noch immer un-fruchtbare Frau und im vierten ihr Mann machen muß. Dem Gürtungsopfervon drei bis zu sieben Wachsringen werden auch reiche Geschenke für dieKinder" beigegeben und dies durch Jahre hindurch immer wieder 115)!
Was auch die anderen Gewährsmänner in den beiden früheren Jahr-gängen des Belgrader„ Glasnik" mehrfach berichteten, das führt Rusić nun
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