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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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deutlich genug. Liebrecht hatte sie freilich nur bedingt mit dem Grund-prinzip der Einfriedung durch den hegenden Faden" in Zusammenhanggebracht: Diesem ganzen Gebrauch( der Wachsgürtung) wird wohl ursprüng-lich die Absicht zugrunde gelegen haben, die Weihung und Übergabe vonTempel und Tempelgebiet an die Gottheit durch Anknüpfung der um die-selbe gelegten Schnur oder Kette an deren Bildsäule auszudrücken, weshalbsich auch in den angeführten bretonischen Liedern das Ende des gelobtenWachsgürtels an das Kruzifix knüpfen soll. Daß letzterer Umstand dannspäter, als die anfängliche Bedeutung des Gebrauches in Vergessenheitgeriet, gar nicht mehr zur Ausführung kam, ist leicht begreiflich. Übrigensmag die Sitte des Hegens durch seidene Fäden, Schnüre usw. häufig mit dereben besprochenen zusammengefallen sein" 91).

Über das Alter des Gürtebrauches im westeuropäischen Bereiche etwasaussagen zu wollen, fällt schwer. F. Liebrecht verweist bei dem Beispiel vonden neun pestgemordeten Söhnen der Votantin, die Gott dafür eine drei-fache Mauergürtung mit Wachs anbietet, auf Villemarqué, den Heraus-geber der Quelle, der diesem Motiv ein hohes Alter zuschreibt. Ein Konzilzu Nantes, gehalten im Jahre 658, bestätige es ausdrücklich 92). MeineNachprüfungen ergeben jedoch, daß dies nicht zutrifft. Denn erstens fand imgenannten Jahre weder ein Konzil noch eine Provinzialsynode zu Nantesstatt. Vielmehr setzt die neuere kirchengeschichtliche Forschung jenes ver-meintliche Konzil von Nantes vom Jahre 658 frühestens an die Wende des9. Jahrhunderts. Es werden die Jahre 895 oder 900 genannt 93). Zweitens aberenthalten die in mehreren Handschriften überlieferten Bestimmungen diesesKonzils wohl Anordnungen über die Ausrottung heiliger" Bäume und dasUmstürzen der heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Megalith- und Druidensteine, die allerdings viel-fach Kreissetzungen darstellen und im Opferritual eine Rolle spielten; jedochvon Gürtungen mit Eisen oder Wachs und dgl. ist mit keinem Worte dieRede 4). So kommt auch dem Hinweise von R. Hindringer, der Gürte-brauch begegne wenigstens in der Form des Legens von Eisenstücken unddes Einsteckens bunter Ruten in die Erde schon in der gegen Ende des8. Jahrhunderts vermutlich in Nordfrankreich entstandenen pseudoaugusti-nischen ,, Homilia desacrilegiis" lediglich hypothetischer Wert zu 95).Die Predigt richtet sich gegen das Sacrilegium dessen, qui in domo suaquaecunque de ferro, propter ut daemones timeant, ponunt et virgascolorias in terra fodendo" 96). Des weiteren fügt Hindringer das Verbot desBurchard von Worms( 1025) in dessen weit verbreitetem theologi-schen Sammelwerk Decreta"( X, 15) hinzu: Neque licet lauro aut viri-ditate arborum cingere domos." Eine ähnliche Bestimmung aus den Dictaabbatis Pirminii"( cap. 22), des berühmten Benediktiners der karolin-gischen Frühzeit, der am Oberrhein die ins Römerreich eingedrungenen ger-manischen Völkerschaften missionierte und zu diesem Zwecke in den Dicta"ein Handbuch der Missionsarbeit nach älteren Predigten zusammenstellte,spricht sich ebenfalls nicht genauer über unseren Gürtebrauch aus.

Wie dem auch sei, die Tatsache bleibt bestehen, daß es mindestens früh-mittelalterliche und rezente Ketten- und Fadengürtungen von Kultobjektenex voto im christlichen Abendlande Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlande und im nahen Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient gab und daß diesesogar bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Bretagne zu beobachtenwaren. Es steht fest, daß diese Gürtungen erstens nicht ausschließlich durchKetten aus Edelmetall oder Eisen erfolgen, sondern gerne durch Wachs-

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