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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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ANDACHTS- UND LIEDERBÜCHER

DER WIENER BUCHBINDER- UND DRUCKERFAMILIE GRUND

1742-1858

VON KARL M. KLIER

Angehörige der Familie Grund waren in Wien mehr als hundert Jahredurch drei Generationen als Buchbinder und-händler, Buchdrucker und-verleger tätig. Ihr Geschäftslokal befand sich während dieser ganzen Zeitraumes buchstäblich im Schatten des Stephansdomes, zuerst in einem der ein-stöckigen Häuschen gegenüber der Vorderfront mit dem Riesentor, derenReihe man sich über den heutigen Stephansplatz in der Richtung Graben-Rotenturmstraße gebaut denken muß; als sie 1792 abgerissen wurden, über-siedelte Grund in den( alten) Zwettlhof neben dem erzbischöflichen Palais,damals Bischofsgasse, und als dieser 1839/42 abgebrochen wurde, bezog erin dem neuerbauten Zwettlhof( Stephansplatz 6), der heute noch steht, 1844wieder ein Verkaufslokal.

Unter jenen Büchern, die von der Firma Grund vertrieben oder verlegtwurden, nehmen Andachts- und Gebetbücher, geistliche Liederbücher undSchulbücher den wichtigsten Platz ein. Dabei waren die Grund immer be-strebt, nur solche Werke in Obhut zu nehmen, die bei der geistlichen Be-hörde keinen Anstoß erregen konnten; diese Haltung sicherte ihnen einer-seits das Wohlwollen der kirchlichen Kreise z. B. wurden die Vordruckefür die Matrikenbücher der Diözese jahrzehntelang bei Grund gedruckt-andrerseits entgingen sie Anständen wegen nicht einwandfreier Gebete undLieder, wie sie sich etwa 1819/20 bei einem Einschreiten der Staatsbehördenergaben. Damals wurden bei Fritsch, Maria Anna Staudin, Löw, Frank,Schillinger, Wanderstan und Lemkin eine ganze Reihe von volkstümlichenDruckwerken, Gebeten und Liedern beschlagnahmt, begutachtet und zumgrößten Teil eingezogen ¹).

Eine Bibliographie der Andachts- und Gebetbücher für die Wiener Diözeseaufzustellen wurde bisher nicht versucht. Die Österreichische National-bibliothek und die Universitätsbibliothek Wien besitzen nur wenige Werkedieser Art; dagegen verfügt die Wiener Stadtbibliothek über eine stattlicheKollektion, die im Sachkatalog nach Erscheinungsjahren verzettelt ist.Auch die Sammlung des Prälaten Wagner im Diözesanarchiv Wien ist an-zuführen. Reiches Material wäre vermutlich in den Wiener Kloster- undniederösterreichischen Stiftsbibliotheken zu finden. Im Antiquariatsbuch-handel spielen diese Werke eine geringe Rolle; lediglich solche mit schönenEinbänden oder guten Kupferstichen erfreuen sich einiger Beachtung. Übri-gens sind sicherlich oft die Stiche aus den Büchern entfernt und als Andachts-bilder verkauft worden, während das Buch selbst in die Makulatur wan-derte. Allerdings sind nicht selten die Kupferstiche schon vom Verleger fürbeide Zwecke verwendet worden: eingeklebt als Buchschmuck, als Heiligen-bild einzeln gehandelt.

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