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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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seiner Beteiligung am Aufstande gefangen genommen und nach Ingolstadtverschleppt, ihm aber schließlich doch noch Leben und Freiheit geschenkt.Auch ein späterer Seelsorger von Straß, der Wiltener Chorherr Siard Haaser,äußerte sich brieflich, die Bayern hätten 1809 den Einsiedler von der Brett-fall verhaftet und nach Kufstein ins Gefängnis gebracht?).

Franz Margreiter gab den Bayern auch nach dem Kriege noch Anlaß zumVerdachte einer geheimen Wühlarbeit gegen ihre Regierung. Es fand sichnämlich eine Notiz über eine Hausdurchsuchung auf der Brettfall 8). AusAkten des Innsbrucker Staatsarchives läßt sich Genaueres darüber be-richten).

Das Vorhandensein eines weitab von den Augen der Obrigkeit hausendenEinsiedlers war den Organen einer aufgeklärten Regierung ohnehin schonein Dorn im Auge. Sie besorgten, es könnte der mühsam unterdrückte Volks-aufstand durch religiöse Eiferer aufs neue entflammt werden. Man bemühtesich nach Kräften religiöse Zusammenkünfte, Wallfahrten, Prozessionen, Be-richte über Wunder und Prophezeiungen zu unterdrücken. Der Umstand, daßMargreiter fromme Bildchen herstellte und verbreitete, scheint dem könig-lich bayerischen Generalkommissariat des Innkreises Sorge verursacht zuhaben. Schließlich entsandte es am 13. Dezember 1810 eine Kommission aufdie Brettfall. Diese beschlagnahmte dem Einsiedler Bilder und Handwerks-zeug, um sein abergläubisches, politisch nachteiliges Treiben einzustellen.Das Verzeichnis nennt: 18 Kupferplatten, 1 Handpresse, 9 Stück Testimoniender in Fügen bestehenden Rosenkranzbruderschaft, 2 Dutzend Bildnisse derhl. Nothburg von Eben mit ihrer Lebensgeschichte und zahlreichen Neben-bildchen, 12 Dutzend Bilder der Muttergottes, wie sie auf der Brettfall ver-ehrt wird. Gleichzeitig zwang man den Franzl ein Protokoll zu unterzeichnen,in dem er sich verpflichtete nichts mehr zu drucken, kein Geld mehr sammelnund keine abenteuerlichen Gerüchte unter das Volk zu bringen.Ein paarMonate vergingen mit amtlichen Erhebungen über Margreiters Tätigkeit undAufführung. Indessen war ihm jegliche Einnahme abgeschnitten. In seinerNotlage mußte er sich schließlich am 24. März 1811 an den bayerischen Kron-prinzen wenden, dessen gutes Herz manche Härten der Nachkriegszeit zumildern verstand. Margreiter schrieb in seinem Gesuche: weil ihm derMesnerdienst an der einsamen Kirche nichts eintrage, und weil er wegenseiner Krüppelhaftigkeit Glossar ::: zum Glossareintrag  Krüppelhaftigkeit keinen anderen Verdienst finde, müsse er sich schonseit 27 Jahren( also seit 1784) mit der Kupferstecherei ernähren. Wieder hatteer mit seiner Eingabe vollen Erfolg, denn schon am 11. Mai 1811 bewilligteman ihm die Rückgabe seines Eigentums. Gleichzeitig gestattete man ihm denDruck und Vertrieb von Kongregationsbildchen unter Aufsicht des SchwazerKreiskommissariates. Als aber im Jahre 1813 Bildchen auftauchten, die daswundertätige Kruzifix des Haller Pestfriedhofes zeigten, das angeblich dieAugen aufgeschlagen hatte, ging von Innsbruck aus ein Auftrag nach Schwaz,man sollte den Einsiedler auf der Brettfall, der sich mit dergleichen abzu-geben pflegte, im Auge behalten und ihn im Falle der Überführung exem-plarisch bestrafen. Bald stellte sich heraus, daß jene staatsgefährlichenDruckwerke vom Innsbrucker Kupferstecher Gotthard Urschall stammten 10).

Nach der Wiedervereinigung Tirols mit dem österreichischen Vaterlandewird auch der gute Brettfall- Franzl aufgeatmet und sich seiner Kunst mitdoppeltem Eifer gewidmet haben. Leider war ihm auch von österreichischerSeite eine schwere Kränkung beschieden. Denn die Zensurstelle in Innsbruck

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