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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
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FRANZ MARGREITER, DER BRETTFALL- FRANZL

Zur Wallfahrtsvolkskunde Tirols

VON HANS HOCHENEGG

Vorbemerkung

Diese Lebensbeschreibung entstand als Nebenfrucht meiner noch unver-öffentlichten Dissertation: Die Tiroler Kupferstecher. Ihre erste Fassung ver-öffentlichte ich 1921 im Bergfried, Nr. 11 und 12( Sonntagsbeilage zumTiroler Anzeiger). Seither konnte ich in Aktenstücke Einsicht nehmen, diemir damals unbekannt waren. Auch vermochte ich noch manche KupfersticheMargreiters kennenzulernen. Möge es mir daher gestattet sein, dem verehrtenAltmeister Gustav Gugitz diesen vielfach berichtigten und ergänzten Beitragals bescheidenen Gruß zu seinem Feste vorzulegen.

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Mir waren schon öfters derb ausgeführte Heiligenbildchen aus der Zeitvor und nach 1800 vor Augen gekommen, die sich vor allem mit der Brett-fall, dem Wallfahrtsorte auf steilem Fels bei Straß am Eingang des Ziller-tales, befaßten. Bestimmte Eigenheiten dieser unbeholfenen Kupfersticheließen auf gemeinsamen Ursprung schließen.

Eingedenk des alten Spruches:

,, Wenn a Vögele singt, brauchts kei Nachtigall sein,

A Finkle, a Spätzle gfallt auch drunter drein"

hatte ich an diesen urwüchsigen volkstümlichen Darstellungen manchmalgroße Freude. Weil mich die merkwürdigen Lebensverhältnisse ihres Urhe-bers lebhaft beschäftigten, suchte ich sie so getreu als möglich zu erforschen.Was man sich nämlich über den Brettfall- Franzl, den Einsiedler Franz Marg-reiter erzählt, der dort oben- Brettfall soll soviel heißen wie super vallem,über dem Tal als Kupferstecher tätig war, ist so widersprechend undromanhaft aufgebauscht, daß ich mich veranlaßt fühlte, den nüchternen Tat-sachen nachzugehen.

Im Volke weiß man nämlich sonst nichts Zutreffendes mehr vom Brett-fall- Franzl zu erzählen als nur die Geschichte von seinem traurigen Ende.Angeregt durch die abenteuerlichen Gerüchte hat Adolf Pichler den vielleichtharmlosen Klausner zum Helden einer romantischen Erzählung gemacht ¹).

Der Franzl sei ein Soldat aus Ungarn gewesen, der lange Jahre in türki-scher Gefangenschaft schmachten mußte. Erbitterung über die Untreue seinerFrau habe ihn nach seiner Heimkehr zum Räuber und Mörder gemacht. Mitdem Passe eines seiner Opfer sei er nur zufällig nach Tirol geraten. Als erzerlumpt und verwildert in Straß zukehrte, hätte ihm der Ortsseelsorgerderart ins Gewissen geredet, daß er als reumütiger Büßer die zufällig leer-stehende Einsiedelei auf der Brettfall bezogen hätte.- Pichler erzählt sodannmanches Gute über ihn, aber es ist schwer zu entscheiden, was davon Wahr-

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