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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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Knaben weiße mit blauen Paternosterperlen von den Paten geschenkt be-kommen. Meistens liegen sie in eigens dafür gerichteten Geschenkkassetten,die noch ein Gebetbuch und einen bunten Wachsstock enthalten, in rosaoder hellblauem Seidenfutter.

Weiß sind auch die Rosenkränze, die die Braut bei der kirchlichen Hoch-zeitsfeier um die Hände schlingt. Zwei solcher Bet'n aus Elfenbein, die einemit ungezierten, unregelmäßigen Perlen und einem einfachen Kreuz aus dem-selben Material 20), die andere aber mit kunstvoll gerillten und geziertenPerlen und einem schönen geschnitzten Elfenbeinkreuz 21) sind im Besitz deso.-ö. Landesmuseums.

Was die christliche Symbolik an Zutaten zum Rosenkranz in seinerbarocken Entwicklung fügte, wie die Wundmale Christi, also Kopf, Händeund Füße von Wunden durchbohrt, wird auch für das profane Leben undLeiden umgedeutet. Der gläubige Mensch nimmt in seinen Schmerzen desLeibes Zuflucht zu einem geweihten Rosenkranz, der silberne oder aus Beingeschnitzte Hände und Füße aufgefädelt hat, in dem Glauben an eine analogeWirkung. Diese Rosenkränze werden dann Gichtbeten" genannt 22).

Zu den Tröstungen der Religion gehört es auch, daß dem Sterbenden einRosenkranz in die Hände gedrückt wird, mit dem er dann begraben wird.Diese alten Sterberosenkränze weisen übergroße Holzkreuze als Abschlüsseauf 23).

Es ist allgemein Brauch, den Toten Rosenkränze mit ins Grab zu geben,die aus Holz bestehen, denn es gilt hiebei der Glaube, daß die Dinge, die demToten ins Grab mitgegeben werden, mit dem Auflösungsprozeß Schritthalten sollen.

In bäuerlichen Gebieten wird der Tote in seinem Haus aufgebahrt unddie Verwandtschaft und gute Nachbarschaft hält die Totenwache. Diese wirddurch Abbeten von Gebeten ausgefüllt. Die Reihenfolge und eine gewisseAbwechslung in die Gebetsfolge bringt der Vorbeter oder die Vorbeterin,die dafür ihr, Gwisses" erhalten. Diese, meist ältere Personen ziehen auchheute noch die alten gefädelten Rosenkränze mit den schiebbaren, meistgroßen Perlen, den modernen gekettelten vor 24). Als solche sind die Rosen-kränze anzusprechen, die im Zwischenstück häufig einen aus Bein geschnitztenTotenkopf haben.

Hier sei auch noch der Büẞerrosenkranz" erwähnt, der im Zwischen-stück einen Elfenbeinknopf mit drei Gesichtern besitzt: Christus-, Tod undein Frauenkopf( Maria), was als Leben, Tod und Gnade im christlichen Sinneinterpretiert werden kann 25). Die mittelalterlichen Büßer blieben, ihre oftriesig großen Rosenkränze als sichtbares Glaubens- und Büßerzeichen umdie beiden Unterarme geschlungen und um den Hals gehängt, vor der Kirchestehen, bis sie entsühnt waren 26).

Eine chronologische Reihung des Materials läßt sich von der Gegenwarther über die äußere Ausführung, Zierat und Herstellungstechnik erschließen.Gegenwärtig sind im Handel in Oberösterreich zum größten Teil Rosen-kränze aus den Werkstätten der Gablonzer üblich, einer Gruppe von Heimat-vertriebenen aus der Tschechoslowakei, die in Enns, Steyr und Krems-münster neue Arbeitsstätten aufgebaut haben. Die einzelnen Meisterbetriebedieser Genossenschaft erzeugen Halbfabrikate; so werden z. B. für die Rosen-kranzkreuze einfache Formen aus Metall gepreßt. Diese werden selten indieser einfachen Form verwendet, sondern erfahren in einem weiteren Ar-

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