ROSENKRANZE IN OBERÖSTERREICH
Die Bestände des Oberösterreichischen Landesmuseums und ihre Zusammenhänge
VON HELENE GRUNN
Der Rosenkranz, das Gebet und das religiöse Andachtsmittel der katholi-
schen Lande ist weit verbreitet in allen Schichten der Bevölkerung seitaltersher. Gerade in letzter Zeit, da vom Klerus aus ein„ Rosenkranzsühne-kreuzzug" propagiert wird, lebt seine Bedeutung zu neuer Blüte auf.
Vielerlei Wandlungen vom Mittelalter bis zur heutigen Art und Gestaltmachte er durch und wurde zu einem Bestandteil unseres Kulturgutes. Inseiner Erscheinung ist der Rosenkranz eine Anzahl von aneinander-gefügten Perlen. 10 solcher Perlen werden jeweils durch eine Perle, die inihrer Form, Materialfarbe oder Größe besonders herausgehoben ist, von-einander getrennt. Den Abschluß des Rosenkranzes bildet ein lateinischesKreuz, am Ende eines Zwischenstückes.
Die Gebete, die mit Zuhilfenahme dieses Zählmittels gesprochenwerden, entsprechen der angeführten Gliederung. Jede Perle gleitet durchdie Finger des Betenden, nachdem er ein„ Ave Maria" gebetet hat. Ursprüng-lich waren es 150 Ave, die einen vollständigen Rosenkranz ausmachten. DieseAnzahl entspricht den 150 Psalmen aus dem Psalterium Davids ¹). Heute sindes 50. Das Beten bestimmter langer Gebete durch Wiederholung ein unddesselben Gebetes entspringt dem klösterlichen Brauch sowohl im katholi-schen Christentum, wie auch bei den Mönchen der orthodoxen Kirche, wieüberhaupt der östlichen Religionen 2).
Nach je 10 solchen Perlen( Ave), einer Dekade, wird ein bestimmtesEreignis aus dem Leben Christi oder Marias eingefügt, das sogenannte,, Rosenkranzgeheimnis", danach das„ Vater unser" gebetet. Markiert wirddieser meditierende Gebetsteil durch die herausgehobene Paternosterperleund macht in diesem wesentlichen Bestandteil den Rosenkranz aus. DerOrden der Karthäuser hat sich im frühesten Mittelalter um diese Gebetsfolgebemüht. Heinrich Egker v. Kalkar( gest. 1408) änderte die reine Gebetsfolgevon 150 Ave, indem er ein Paternoster zwischen je 10 Ave einschob, aber wederein Gloria noch eine Erinnerung an ein Geheimnis Jesu kannte. Diesesletztere wurde durch die Dominikaner, insbesondere durch Alanus de Rupegepredigt ³). Die heute übliche Form wurde in der Karthause bei Trier durchDominikus v. Preußen( gest. 1561) erreicht 4). Diese meditierenden Gebetesind nicht neu gewesen; die Vorliebe dafür kam aus dem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient 5).
Das lateinische Kreuz als Abschluß steht für den Glauben schlechthin alsSymbol und deshalb wird an dieser Stelle das Glaubensbekenntnis abgelegt.Der Rosenkranz, in Oberösterreich volkstümlich„ Bet'n" ge-nannt, hieß im Mittelalter Saxeel oder Zapel 6). Er läßt sich der Herstel-lungsform nach in zwei Gruppen unterscheiden, die zeitlich aufeinander-folgen. Die modernen Rosenkränze fügen die Perlen mit Kettengliedern an-einander, sie werden gekettelt". Diese Arbeit des Kettelns ist ausge-
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