Druckschrift 
Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

čonguri, das nationale Seiteninstrument der Georgier( vgl. pers. čang) zuspielen und den Engeln gleich zu singen verstünden 10).

Im Bezirk von Kutaisi, der Hauptstadt der westgeorgischen LandschaftImerien, spendete man als Opfergaben außer den oben angeführten DingenRosen, Veilchen und andere Blumen, daneben Spielzeug, an anderen Orten( Sakara, Bez. Schorapani) auch silberne und goldene Gegenstände. Eine Fraudes Hauses legte abends Speiseopfer auf ein Tischchen, und betete: Ba-fonebo! tkweni muxlis da k'altis č'irime, uxsenit tkwens awatmqops damiecit xsna. Herrinnen, bei eurem Knie und Rocksaum bitte ich, erlösteuren Kranken und gebt ihm Heilung!" Die Frau kroch sodann auf denKnieen um das Bett, küßte dessen Ecken, Rand und den Fußboden davor undmachte bei jedem Kuß eine Verbeugung. Sich zu bekreuzigen mußte manaber vermeiden, da dies den bafonebi verhaft war, was vielleicht zu demGlauben der Gurier an die islamische Zugehörigkeit der Krankheitsdämonengehört. Man durfte den Kranken nicht bei seinem Namen nennen, sondernnannte ihn Hund, gab ihm einen Hundenamen oder legte ihm einen un-christlichen Namen zu, wie ihn Eltern, die schon mehrere Kinder verlorenhatten, einem neugeborenen Sprößling schon bei der Taufe heimlich bei-legten 11). Zu den Tabus gehörte auch das Verbot geschlechtlichen Umgangsim Haus des Kranken.

Auch Träume spielten eine Rolle. Der Kranke träumte von Büffeln, voneinem Tataren oder einem ganzen Heer, das auf ihn losrückte. Erschien ihmein Schwarzer( arabi), so mußte er unbedingt sterben 12). Besserte sich derZustand des Kranken, so träumte gewöhnlich einem der Hausleute, daß diebatonebi ihre Geschenke verlangten. Man legte diese mit Anbruch des Tagesin ein Tuch und setzte sie auf einem Kreuzweg, einer Wiese oder am Fluẞ-ufer nieder, den Gold- und Silberschmuck allerdings hielt man zurück, wennman auch dem Kranken versicherte, daß man ihn ebenfalls fortgegeben habe.Die zurückgelassenen Opfergaben wagte niemand wegzunehmen, sei es ausFurcht vor den Krankheitsdämonen, sei es wegen der Ansteckungsgefahr.Aus demselben Grunde vermied man es sogar, in anderen Häusern von demKranken zu sprechen 13).

In den Bezirken Tiflis und Telaw wurden besonders Ziegenfleisch undZiegenmilch als Opfergaben verwendet. Man brannte im KrankenzimmerLichter, aber keine Wachskerzen, selbst ein etwa herbeigeholter Priesterwagte es nicht, solche anzuzünden. Man nahm an, daß die batonebi Füßeaus Wachs hätten, die schmelzen könnten, wodurch der Kranke zur Strafeverkrüppelte Glieder bekäme. Anstatt der Wachskerzen brannte man Basma,d. i. mit zerstoßenen Walnüssen gefüllte kleine Wattebäusche von 5 cmLänge, die wie Räucherkerzen von gelber Farbe aussahen 14). Man setztesie beim Kranken auf einen Stein oder in eine Schüssel und brannte siezwei- oder dreimal an jedem Abend. Man schrieb diesem Verfahren Wunder-kräfte zu. Wenn dem Patienten Verunstaltung oder Verlust von Organendrohte, brannte man einen oder zwei Monate lang Basmas und erlangtedadurch seine vollständige Wiederherstellung. War die Krankheit gefährlich,so griff man allerdings selten zu dem Mittel, ein Basma angezündetauf das Dach des Nachbarn zu stellen. Dann genas der Kranke und derNachbar wurde das Opfer der Blattern. Für den Bezirk Telaw ist noch zuerwähnen, daß die in der Krankenstube anwesenden Frauen zu Ehren derbatonebi Nackttänze aufführten 15).

66

99