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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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Trieb, aber einem, der ihn zum Feind und geistlosen Vernichter alten Ge-meinschaftsbrauches macht. Nicht nur mit Papier, Leder, Fensterkitt, Bleiund Wolle, auch mit Dörrbirnen und Hauswürsten stopfen solche Über-mütige ihre Pöller. Sacktüchlein und Hut opfern sie als begehrte Füllmasse,daß die Pöller besser klepfen, und sie sind Gott weiß wie stolz auf ihre Er-findungen. Natürlich war und ist es vor allem Sache der Hengertbuben, aufdem Weg zum Schatz oder nach dem Abschied das Neujahr anzuschießen".Vom achtzehnten Lebensjahr an, wenn man a Schutzwoofa( eine Schuß-waffe) i' d' Hand neh därf", war man dabei. Wo etwa eiserne Mörser, diePöller, nicht zur Verfügung standen, gab es auch unter den Pistolen alte undschwere, die in der Hand" grad an Lopf" waren. Unfälle taten dem Brauchnur wenig Abtrag. Wo der Hengertbub einkehrte, gab es Branntwein, Honig-schnaps, Nüsse, Äpfel, Kaffee und den Neujahrszelten mit Butter.

Sache der jüngeren Buben ist es, die Glückwünsche von Haus zuHaus zu tragen. Noch heute legt man Wert darauf, die ersten Wünsche ausdem Munde eines jungen männlichen Wesens zu hören. Axa stähla"( das hwird gesprochen) heißt im Volksmund dieses Neujahranwünschen. Wie maneine alte Axt, deren Schneide abgenutzt und schartig ist, zum Schmied bringt,daß er sie stähle, d. h. cine neue Schneide von Stahl anschweiße, so wünschendie Buben mit ihren heiseren Stimmen jedem Bauern und Bürger, bei demsie anklopfen, sozusagen neuen Stahl an die Axt, die er im alten Jahr wackergeschwungen.

Besonders sind es Götti und Gotta, die auf den Neujahrswunsch ihresPatenkindes Anspruch haben. Götti, i wüsch dr a guats glücksäligs neusJohr" ist der Spruch. Der Götti erwidert den Wunsch: ,, Dank. Gäb is Gottviel guati." Wenn die Bubenhorde unter sich ist, weiß man wohl noch weiterzu reimen:,... wenn d mr nüt giischt, riiẞ? di bi da Hoor." Heute sind Eier-ringe und Eierzöpfe und vielleicht ein Geldstück früher war es ein Gulden

das übliche Neujahrsgeschenk des Paten. Zwischen Weihnachten und Sil-vester biegen sich bei den Bäckern in unserem Tal die Tische unter der Lastvon Butterknöllen, Eiern, Mehl und Milch für die hunderte von bestelltenRingen und Zöpfen. Früher kostete ein Eierring einen Gulden, ein kleiner80 Kreuzer. Im Bauernhaus gibt es für das Göttikind auch, dörri Kriasi"oder Schnitz( getrocknete Äpfelscheiben oder Birnen). Wer es vermag, schenktwohl auch Sacktüchlein oder einen Stoff zu Hosen oder einem Tschopen. Wohlim ganzen Montafon außer Brauch gekommen ist das alte Neujahrsbrot, dieMigga, ein zweireihig gebackenes Brot. Eine große Migga hatte 36 Zinggen,eine kleine deren 20. In Feldkirch begegnet man dieser Brotform auch dasJahr über noch in den Bäckerläden.

Der Dreikönigstag hat bei uns nicht so reiches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum auf sichversammelt wie in den österreichischen Nachbarländern. Ein besondererName des Tages ist nicht bekannt. In der Kirche weiht der Priester Wasserund Salz. In das Gefäß mit Salz wird zuweilen die Kreide gelegt, die Drei-königskreide, mit der man die drei Buchstaben C+ M+ B an den Türsturzschreibt. Vom geweihten Dreikönigssalz gibt man allem Vieh eine Handvollim Mai, wenn es in den Maises geht.

Der Brauch des Umganges der Dreikönige mit dem Stern war früherallgemein, erlosch dann vielerorts, lebt aber neuerdings wieder auf, wie dennüberhaupt dem religiösen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum eine Erneuerung und zugleich eineVertiefung beschieden scheint. Nach Schruns, in den Hauptort des Tales,

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