DIE WIENER MYSTIKERIN CHRISTINA RIGLER
( 1648-1705)
Leben, Frömmigkeitstypus, Bildvorstellungen
VON HANS AURENHAMMER
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Gustav Gugitz hat vor kurzer Zeit an Hand der Darstellung des Schicksalsder Wallfahrt zu Tattendorf ¹) Einzelpersönlichkeiten des„ geringen Volkes"nicht nur als Träger, sondern vielmehr als Initiatoren der der Gemeinschafts-kultur durchaus angehörenden Praktik der magisch- kúltischen Verehrungherausgestellt. Einem ähnlichen, an religiöser Wirkung vielleicht glück-licheren Fall, dessen Hauptgewicht allerdings auch in Bereichen liegt, dienicht nur im Gegenstand( wie besonders die magisch- kultische Verehrung),sondern auch in den Praktiken oberschichtlichen Vorbildern sich zugäng-licher erweisen 2), soll dieser Aufsatz gewidmet sein. Es ist dies die religiöseExistenz der Wiener Mystikerin des ausgehenden 17. Jahrhunderts, Chri-stina Rigler. Wenn auch unmittelbare Quellen zum Leben der ChristinaRigler äußerst spärlich sind sie beschränken sich außer der Geburtsnotizder St. Pöltner Dompfarre und einigen Angaben zum Leben ihrer Elternebendort und im St. Pöltner Stadtarchiv ³) vor allem auf eine beglaubigteAbschrift ihres Testaments im Wiener Diözesanarchiv 4), so bestätigenProtokollsentwürfe und Aktennotizen im Archiv des Wiener Minoriten-klosters 5) ebenso wie eine handschriftliche Eintragung von einer Hand des18. Jahrhunderts in den Taufmatriken der Dompfarre St. Pölten 6) den Ruf,den sie nach ihrem Biographen Germanus Plume S. J.) gehabt haben muß.Die Angaben in dieser einzigen erhaltenen Biographie der Christina Riglerdecken sich in allen Fällen mit den übrigen Quellen. Das Werk ist also mitgewissen Einschränkungen verwendbar, die insbesondere die Gesamtinter-pretation der religiösen Gestalt der Christina Rigler betreffen, die offensicht-lich nach Parallelen zum Leben der hl. Lydwina und vielleicht der hl. The-rese von Avila sucht. Dabei muß dahingestellt bleiben, ob es sich um eineAnalogie des Erlebens oder der Interpretation handelt.
Es geht hier weniger um das für die Zeit allerdings bezeichnende 8) so-ziologische Phänomen, das nur in Bezug auf den Vorbildcharakter der Chri-stina Rigler untersucht werden soll, den sie auf Grund einer erwiesener-maßen bis in die Dynastie und den höchsten Klerus reichenden Verehrungihrer Person innehatte, sondern es sollen vor allem ihre Bildvorstellungenbehandelt werden, für deren allgemeine Bedeutung so oder so die zeit-genössische Literatur über Christina Rigler herangezogen werden kann. Esergibt sich also aus der eidetischen Grunderlebnishaltung dieses Typs my-stischer religiöser Erfahrung die Möglichkeit, die Bildvorstellungen derChristina Rigler und die von ihr verehrten und zur Verehrung empfohlenenBilder nach ihrem funktionellen und historischen Ort zu ordnen 9), um soeinen Einblick in die historische Struktur ihrer Religiosität, bzw. der ihrerZeit und Interpreten, und einen geringen Beitrag zum Problem der Tradition
1 Kultur und Volk
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