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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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an, hielt bei ihr sogar einige seiner so wenig zahlreichen Vorträge. Vor allemaber zog ihn die damals nach Wien überführte Sammlung Rudolf Kriss inder Neuen Hofburg an. Dieses neue Zentrum der Wallfahrtsvolkskunde gabihm auch den Anstoß zur sammlerischen Intensivierung seiner Tätigkeit.Während er mit Frieß zusammen an den Monographien über verschiedeneeinzelne Wallfahrten Österreichs arbeitete, begann er mit der Anlage seinerSammlung kleiner Andachtsbilder, die er in anderthalb Jahrzehnten zu sehrrespektablem Umfang zu bringen wußte, eine einmalige Forschungsgrundlagefür die Wallfahrtsvolkskunde Österreichs. Ihre Bedeutung ist wohl ambesten dadurch gewürdigt worden, daß sie vom Österreichischen Museumfür Volkskunde erworben wurde, das dadurch seine bisher nur wenig um-fangreiche Kleingraphik- Sammlung sehr stattlich bereichern konnte.

Wer die innige Durchflechtung von theoretischer und praktischer Arbeitverfolgen konnte, die Gugitz in jenen Jahren leistete, die Anlage der Samm-lung in tausend Einkaufs- und Tauschwegen, die Bereisung von hundertenvon Wallfahrten, die er in vorgeschrittenem Alter teils allein, teils mitseinem nun schon verewigten Freund Leopold Reiter durchführte, der mochteglauben, der Schaffung eines vollen gerundeten Lebenswerkes beizuwohnen.Wenn man aber wußte, daß diese gewaltige Leistung, die letztlich auf eineGesamtdarstellung der Wallfahrten Österreichs hinauslief, nur einen Teil derganzen Arbeit des Unermüdlichen bedeutete, dann vertiefte sich die Ehr-furcht vor dieser unvorstellbaren Kenntnis und Erkenntnis in noch weit be-deutenderem Ausmaß. Entstanden doch in den gleichen Jahren jene Aufsätzein fast feuilletonistischer Form, die das Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahresbrauchtum Österreichs so plan-mäßig zum Gegenstand hatten, daß sie nach Abschluß der Serie als Buchhätten erscheinen können. Das verhinderte freilich zunächst der inzwischenhereingebrochene zweite Weltkrieg: erfreulicherweise nicht für immer. Aberdie Verzögerung, die Gugitz, der immer tätige, sehr schmerzlich empfand,trieb ihn zu immer neuen Arbeiten. Aus seiner Andachtsbildsammlung schufer das absolut notwendige Übersichtsbuch über das Kleine Andachtsbild inden österreichischen Gnadenstätten, eines jener Handbücher, von denen mandann, wenn sie einmal vorliegen, sich nicht vorstellen kann, daß sie vorhernicht vorhanden gewesen sein könnten. In der erzwungenen Muße nach demKrieg erarbeitete er sich jene vollständige Sammlung der Sagen und Le-genden der Stadt Wien, die man künftig auch nicht missen können wird.Die Wiener Kulturgeschichte hatte ihn ja während der Kriegsjahre bis zueinem gewissen Grad zurückgefordert. Er konnte einige Jahre hindurch seinganzes ungeheures Spezialwissen der Wiener Stadtbibliothek widmen, gleich-zeitig dort die Sammlung seines längst verewigten Sammlerfreundes Maxvon Portheim katalogisieren und so seine einmaligen Kenntnisse des 18. Jahr-hunderts in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Daneben entstandmanche Einzelarbeit. Vor allem aber verwendete Gugitz diese Zeit dazu, umseine Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien abzurunden.Nach dem Krieg begann auch dieses Riesenwerk zu erscheinen. Wer es zubenützen weiß, bedauert aufs tiefste, daß die weiteren Bände bisher nichtvorgelegt wurden.

SO

Der große einsame Forscher, der die längste Zeit seines Lebens Privat-mann war, hat also zu allen Zeiten reichlich gesäet und immer wieder auchtrefflich zu ernten verstanden. Als die Generation derjenigen, die heute imbesten Mannesalter stehen, noch schülerhaft jung war, kannte sie schon ein

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