Seufzen hat man gehört, aber nichts verstanden"( Ebenthal).„ Wenn in der Weihnachts-nacht das Vieh mit den Füßen gegen das Eingangstor liegt, dann stirbt was vom Vieh,man geht um Mitternacht nachschauen“( Morobitz).
Reich sind in der Gottschee auch die Sagen von der„ Wilden Jagd". Sie könnenin diesem Zusammenhang nicht behandelt werden. Es sei nur erwähnt, daß ihr Auf-treten zeitgebunden in den Zwölften auch in der Gottschee überliefert ist:„ Die WildeJagd ist am heiligen Abend gegangen oder zwischen Alt- und Neujahr bis Mitternacht.Da haben die Leute geschaut, daß sie um Ave Maria daheim sind, sonst ist es gefährlich.Ein Geschrei hat man gehört, aber man hat nichts verstehen können, so wie Menschenschreien"( Komutzen). 358
Daß man Hexen während der Mitternachtsmesse erkennen kann, erzählt man gleich-falls in der Gottschee. Dazu verhilft der aus verschiedenen Hölzern zuvor gezimmerteHexenschemel. Die andere Möglichkeit ist der Augenblick, wo der Pfarrer die Monstranzhebt. ,, Da sieht der Pfarrer die Luadern mit'n Scheffel auf dem Kopf"( Gehag beiTschermoschnitz). Zu Weihnachten, wenn der Pfarrer mit der Monstranz das Kreuzmacht, sieht man die Hexen, wenn man sich umschaut. Einer hat es getan und hat vierHexen gesehen und die haben ein weißes Tuch gehabt. Und wie er herausgekommen ist,haben sie ihn hinein und weit vertragen"( Suchen).
Auch die Totenmesse, die nach dem Volksglauben nach der Christmette stattfindet,ist bekannt. ,, In Malgern ist eine Verwandte zur Weihnachtsmette zu Hause geblieben.Wie sie aufwacht, geht sie in die Kirche, sie hat geglaubt, sie hat nicht lange geschlafen,es ist noch abends, aber es war schon spät. In dieser Nacht bleibt die Kirche offen. In derKirche war alles beleuchtet, voll Menschen, aber keinen kennt sie. Auf einmal geht ihreGötte( Taufpatin) auf sie zu und sagt, geh rückwärts hinaus, schmeiß deinen Gürtel wegund schau, daß du heimkommst. Dann am Tag ging sie nachschauen und findet auf jedemGrab ein Stück von ihrem Gürtel."
7. Von Weihnachten bis Neujahr
Am 25. Dezember geht man nicht aus, auch nicht zum Nachbarn. Erst am Stephans-tag beginnen die Lustbarkeiten. ,, Das ist der Lumpertag, da unterhaltet sich die Jugendund tut sich paaren"( findet sich zusammen. Masereben). Abends ist Tanzunterhaltung.
Dienstboten gab es in der Gottschee zwar nicht sehr viele, dazu waren die meistenBauern zu arm. Wo aber Dienstboten waren, galt in der ganzen Sprachinsel der Stephans-tag als Termin, wo der Dienstplatz gewechselt werden konnte; ähnlich wie in etlichenGegenden der Osthälfte Österreichs, besonders nördlich der Donau. 359 Nur im SuchenerHochtal war der Wandertag der Dienstboten Georgi. Die Dienstboten„ ,, haben bis zumalten Jahr frei gehabt, auch wenn sie geblieben sind. Und sie haben weißes und schwarzesBrot bekommen und nach Haus getragen. Im alten Jahr( 31. Dezember) sind sie wiederin den Dienst getreten. 20 Gulden hat das beste Mädel Lohn gehabt"( Masereben).
Der Stephanstag ist wie anderswo auch ein Pferdetag. Da müssen die Rösser einge-spannt oder geritten werden. Gern fuhr man in andere Dörfer mit dem Schlitten zurUnterhaltung, das Reiten aber geschah am Morgen, schon wenn es graut. Zum Frühstückwaren sie wieder da( Ober Mösel). Fuhr die Jugend in andere Dörfer, kamen sie zurAbenddämmerung wieder heim.
Das Salz, das am Stephanstag auf dem Tisch war, nannte man„, Stephansstein". Ihmwurde besondere Wirksamkeit zugeschrieben. Als Beispiel sei eine Erzählung aus Maser-
358 Ähnlich Rieg:„ Von der Wilden Jagd hat man gehorcht am Christabend; wo sie gelärmthaben, war eine Leiche, wo sie gespielt haben, ist eine Braut herausgezogen." Hauffen, S 66,bestätigt, daß man sie in der Weihnachtszeit am häufigsten zu vernehmen meinte.
359 Österreichischer Volkskundeatlas( OVA), Karten 5, 6.
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