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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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als Gegenstück zum Neujahrsrundgang der Burschen zu Dreikönig Glück

wünschen.

Das Suchener Hochtal, das immer wieder Besonderheiten aufweist, kennt denShipling auch als Elementeopfer, und zwar für das Feuer. In Suchen selbst gab man an,die Taube wird zu Dreikönig verbrannt, als Schutz gegen das Feuer. Gehag und Mer-leinsraut sind ausführlicher: ,, Zu Dreikönig in der Früh hat man Hölzerle gemacht, zweigeweichte Kerzerln an die Enden gegeben und ein Stück Shipling hinein und Weihwasserdarauf und ins Feuer für den heiligen Florianus. Heute müssen wir dem Feuerlein zumessen geben vom Shuplik."

Die Kraft, die dem großen weihnachtlichen Gebildbrote zugeschrieben wird, äußertesich in mannigfachen Handlungen und Meinungen. Schon am Weihnachtsabend gingeine alte Frau in Suchen mit dem Shipling zu den Türen, zuerst zum Stall. Sie machtemit ihm ein Kreuz und sagte:, Rüssa Püss... und Sprüche." An deren Wortlaut erinnertesich die Gewährsfrau aber nicht mehr. Ebenfalls in Suchen ließ man auch ein Stück vomShipling übrig und bewahrte es das Jahr über auf als Heilmittel für erkranktes Vieh.Dieses Motiv treffen wir auch andernorts. In Mairle z. B. hob man zu diesem Zweckeetwas von der Mitte des Shiplings auf. Auch als persönlicher Schutz wird ein Stück desShiplings mitgetragen, z. B. in Altlag und Hohenberg. In Mösel hat man es bei sich,wenn man eine Reise unternimmt. In Nesseltal und Oberdeutschau wird erzählt, daß dieGroßeltern ein Stück des Shiplings aufhoben. Wenn sie dann im Sommer mähten undzu einem gewissen Platz kamen, haben sie den Rest des Shiplings gegessen.

6. Der weitere Ablauf des Heiligen Abends

Das Fastengebot am 24. Dezember wird in mehreren Berichten hervorgehoben. InReichenau, Nesseltal und Pöllandl z. B. man am Hl. Abend bis Mittag nichts unddann Obst und Brot, jedoch nichts mit Fett Zubereitetes.

Ein eigenartiges Schwanken weisen die Angaben über das sonst in Österreich, aberauch bei den Slowenen übliche Räuchern und Besprengen des Hauses mit Weihwasser inder Gottschee auf. Gegen Abend, meist beim Einsetzen des einstündigen Glockenläutens,findet diese Art des Haussegens statt. Meine Aufzeichnungen enthalten jedoch in32 Orten nur eine Schilderung des Sprengens, das Räuchern ist nicht erwähnt. In denOrten Hohenegg, Grafenfeld, Wetzenbach, Mitterdorf und Reintal verneinten sie dasRäuchern auf meine Frage sogar ausdrücklich. Bloß in fünf Orten berichtete man mirauch vom Räuchern. Suchen, Masereben und Mösel erwähnten das Räuchern als etwasdurchaus Gebräuchliches. In Altlag hieß es ,,, das Räuchern ist noch in einer Familie",was auf einen früher vorhandenen, jetzt aber abkommenden Brauch deuten würde.Dagegen behauptete Ebenthal ,,, das Räuchern ist erst neu". Eine örtlich nicht festgelegteNachricht spricht vom Räuchern mit Weihrauch und, Kranzloischrâch", also den ge-trockneten Fronleichnamskränzchen. Es scheint demnach so zu sein, als ob bloßẞesSprengen überwog, ein Befund, der sich vom sonst Üblichen unterscheidet. Auch diebeiden älteren Werke über die Gottscheer Volkskultur von Hauffen und Tschin-kel erwähnen bloß das Sprengen, nicht das Räuchern.

Zum Sprengen nimmt man fast durchwegs einen kleinen Fichtenzweig, manchmalvom Christbaum. Hinterher wird der Zweig gewöhnlich verbrannt, in Masern sogarauch das übriggebliebene Weihwasser. In Rieg verbrannte man das Tannenzweiglein amDreikönigstag zusammen mit dem Christbaum im Backofen. Dagegen hob man in OberGras und Grafenfeld den Zweig auf und ackerte ihn in die erste Furche ein. Von dem anden verschiedenen Weihnachtsterminen geweihten Wasser gilt das Dreikönigswasser alsdas stärkste( Mösel, Masereben).

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