kam der stehende Baum"( Masern). Gehag bei Tschermoschnitz kannte den stehendenBaum bereits um 1880.
Die Verbreitung des hängenden Bäumchens in Europa verläuft in einem großenBogen, der im Süden in der Gottschee beginnt. In Slowenien gehört das Bacherngebirgein der ehemaligen Südsteiermark zum alten Verbreitungsgebiet, Kroatien kennt das hän-gende Bäumchen schon nicht mehr. Hingegen finden wir es in Österreich im östlichenKärnten, einem großen Teil der Steiermark und im Burgenland. Der weitere Verlauf derVerbreitung ist außerhalb Österreichs. Er geht nach Mitteldeutschland, West- und Süd-deutschland, bezieht auch Sprachinseln und etliche westungarische und tschechischeGebiete ein. Ich habe dies in meinem Kommentar zur Karte 29 des ÖsterreichischenVolkskundeatlasses ,, Weihnachtsgrün Sonderformen" näher ausgeführt. 347 In dieserArbeit konnte ich auch auf zahlreiche Beispiele dafür hinweisen, daß auch ein verhältnis-mäßig junger Brauch wie der Christbaum in Österreich in die alte Glaubenswelt hinein-wachsen kann. Das zeigt sich auch in der Gottschee. Durch seine Verbindung mit demWeihnachtsfest ist er eben doch kein gewöhnlicher Baum mehr. Daß aus dem AstquirlSprudler gemacht werden, wäre nicht weiter verwunderlich. Katzendorf, Mrauen, Unter-lag und Neugereut bezeugen dies in ähnlicher Weise wie die Alpenländer. Suchen fügtaber noch etwas hinzu, das über das rein Praktische hinausreicht:„ Für das Erdäpfel-oder Sterzrühren hat man das untere Stück genommen, wo das dicke Ende ist mit denAnsätzen von vier oder fünf Asteln, und geschält. Denn das ist gesegnet." Und weiterwird aus Suchen berichtet:„ Den Christbaum hat man nach Dreikönig auf den Apfel-baum geworfen. Wenn er oben blieb, dann wurde es ein gutes. Jahr." Ähnlich in Gehagund Merleinsraut: ,, Den Christbaum hat man dann unter die Obstbäume oder hinauf aufeinen Apfelbaum gegeben, daß viel Obst wird." Ganz Ähnliches konnte ich z. B. auchin der Umgebung von Graz aufzeichnen. In Rieg nahm man den kleinen Fichtenzweigzum weihnachtlichen Weihwassersprengen auch vom Christbaum und verbrannte ihnhinterher. Göttenitz und Koflern aber hoben den Christbaum auf und stellten ihn unterdas Dach. Dort blieb er das Jahr über und wurde erst verbrannt, wenn der nächsteBaum kam. Darin spiegelt sich sowohl ein Kontinuitätsdenken wie sichtlich auch einGlaube an eine beschützende Kraft des Wipfels; hier nicht direkt ausgesprochen, wohlaber in etlichen Aufzeichnungen, welche ich in Salzburg machen konnte, aber auch ande-ren Bezeugungen aus der Steiermark, Niederösterreich und bis Norddeutschland. Somitist Ähnliches wohl auch für die Gottschee anzunehmen.
Noch eines besonderen Schmuckes der Weihnachtsstube ist zu gedenken, einerHeiligengeist- Taube, welche in dieser Zeit über dem Tisch hing. Das Besondere dabei ist,daß die Schnur, an der sie hing, über zwei Aufhängeösen hinaus verlängert war bis zurSchnalle der Stubentür. Wenn jemand den Raum betrat, senkte sich die Taube gegen denTisch zu und ging beim Schließen der Türe wieder in die Höhe. Nachrichten darüberhabe ich aus 20 Orten. 348 Die Taube war üblicherweise aus Holz geschnitzt, in Gehagbei Tschermoschnitz ist auch Birkenschwamm als Herstellungsmaterial bezeugt. Mairleverfertigte die Taube aus der Schale eines ausgeblasenen Eies als Körper. An ihr be-festigte man einen aus Teig geformten Kopf, dazu Flügel und Schwanz aus Papier.
5. Der Weihnachtstisch, Gebildbrote
In der Gottschee wurde der Tisch als etwas Heiliges betrachtet,„, fast wie ein Altar",wie sich ein Gottscheer ausdrückte. Bei einer Feuersbrunst rettete man ihn als erstes.
347 ,, Christbaum und Weihnachtsgrün", S. 17 und 40 ff.
348 Masereben, Ebenthal, Mösel, Göttenitz, Langenton, Rieg, Steinwand, Pöllandl, Komutzen,Unter Loschin, Ober Gras, Reichenau, Warmberg, Gehag bei Tschermoschnitz, Mairle, Koflern,Merleinsraut, Prerigl, Masern, Tschermoschnitz.
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