Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

gerät, kennt Katzendorf: Am Sonnwendabend haben sie so Walzen genommen für dasGlattwalzen der Erde und haben gewalzen über den angesäten Hirseacker in der Nachtund dann heiraten sie im nächsten Jahr." Sicher trat dies an die Stelle des einstigen per-sönlichen Wälzens, das in derlei Bräuchen auch außerhalb der Gottschee an verschiedenenTerminen bezeugt ist.

7. Einzelmotive

Immer wieder berichteten die Gewährsleute vom Glockenläuten zu Sonnwend, daszu den wichtigen und eindrucksvollen Handlungen gezählt werden muß. Um 9 Uhrabends läuten die Glocken 1 Stunde lang wie zu Weihnachten"( Mösel). In Rieg läutetendie Glocken, während das Feuer entzündet wurde, ähnlich in Grafenfeld. In Kukendorfging während des Glockenläutens eine Andacht in der Kirche dem Abbrennen des Holz-stoßes und dem Scheibenschlagen voran. Dieses große Geläute ist der Besonderheit desJohannesvorabends zugeordnet. Aber auch das gewöhnliche tägliche Glockenläuten erhältan diesem Tage Gewicht. Während des nachmittäglichen 3- Uhr- Läutens wurden dieOrakelblumen in Oberdeutschau gepflückt oder aufs Dach geworfen( Oberstein bei Alt-lag), das Gleiche geschah in Koflern während des abendlichen Ave- Maria- Läutens. Vonden sonstigen mehrfachen Angaben, daß dies gegen Abend" zu geschehen habe, sindsicher noch etliche hier hinzuzurechnen.

In Göttenitz war während des Ave- Maria- Läutens auch noch eine andere Art derZukunftserforschung üblich: ,, Beim Schlagen von Kriasscheiben rufen sie aus, die Scheibegehört für die und die Person. Wenn die Ave Maria Glocke geläutet hat, sind die Mäd-chen mit einem Fuß innerhalb der Schwelle gestanden und mit einem außerhalb, denRücken gegen den Türpfosten. Und welchen Namen sie da rufen gehört haben vomFeuer, so heißt einmal ihr Mann." Die Schwelle, welche Drinnen und Draußen trennt,zeigt sich im Volksleben mannigfach als bedeutsamer Ort. Bei dieser Zukunftserforschungsteht das Mädchen gewissermaßen zwischen den Welten, halb noch dem Bisherigen ver-haftet, halb schon den Schritt ins Andere getan.

Ein anderer Platz sonderlicher Art sind Kreuzwege. Auch sie bevorzugte Stätten,um Blicke in die Zukunft zu tun oder mit der anderen Welt" in Verbindung zu treten.Auch dieses Motiv fehlt im Gottscheer Sonnwendbrauch nicht. Meine Aufzeichnung vonBröse bei Tiefenbach berichtet: In der Sonnwendnacht auf einen Kreuzweg gehen,einen Haselzweig von einem einjährigen Schießling nehmen und einen Kreis um sichherum machen. Von 11-12 Uhr warten. Der Teufel kommt und will versuchen, daßman aus dem Kreis kommt, dann ist die Seele verloren. Wasser, Feuer und Schlangenkommen. Wenn man das aushält, kommt der Teufel wieder und fragt, was man will.Meist wird gewünscht, daß er Farnkrautsamen bringt. Dann nach Hause. Man konntedann die Sprache der Tiere in der Nacht verstehen."

Natürlich spielen auch die leiblichen Genüsse eine Rolle bei der Begehung desFestes. Von Sonnwendgelagen kann bei der Kargheit des Bodens und der Lebensführungin der Gottschee keine Rede sein. Wie einfach es war, klingt in den Nachrichten an, daßzu Sonnwend ein besseres Brot gebacken wurde( Grafenfeld), oder ,, man hat gutes Brotgehabt"( Oberdeutschau). Denn das tägliche bestand früher aus Spelten"( Dinkel) oderwar ,, mischochen" aus Mais, Hirse und Gerstenmehl. Brot aus Roggen oder gar Weizenwar ein Festgebäck. Bier, Most und im Gasthaus Wein( Johannessegen) erhöhten natürlichdie Stimmung. Beim Feuer wurde manchmal ein Schaf gebraten( Rieg) oder ein Lamm-braten beschloß die gemeinsame Feier( Hauffen, S. 74). In Masern war es nichtganz so großartig:, Shumitknödl wurden gekocht, die großen mit Zwiebelsoẞ, abends,und große Krauthappl." Und im Suchener Hochtal: ,, Am Sonnwendabend aẞen wir in

198