mittel für das Haus und seine Bewohner. Nicht minder vielfach aber auch Orakel, beson-ders mit Hilfe von Blumen. Schließlich findet am Johannestag selbst das Ackersegnenund-schmücken statt. Sehr reich und eindrucksvoll ist die Abfolge der brauchtümlichenHandlungen mit einem eigenen Liederschatz. Hier ist der binnendeutsche Raum im Ver-gleich dazu ärmer. Einzelne Landschaften haben auch innerhalb der Gottschee Sonder-züge, z. B. das Suchener Hochtal. Schließlich ist Sonnwend noch ein wichtiger Burschen-termin, an dem die Aufnahme der Jungen in die Gemeinschaft der erwachsenen Jugend-lichen stattfand.
Ehe wir uns den Einzelheiten zuwenden, stellen wir einige Schilderungen voran:
2. Zwei Gesamtschilderungen
,, In Suchen haben die Kinder schon 14 Tage vorher Holz geholt für den, Krias', dasgroße Feuer zu Johannes. Auf einer Anhöhe, so daß man es weit gesehen hat. Die Ästevom, Himmeltuge( Fronleichnam, Buchenäste) wurden schon am Nachmittag von Fron-leichnam auf den künftigen Krias- Platz getragen. Wegen des richtigen Schlichtens kamendann die Burschen. Unten war dickes Holz, oben die Äste, daß es hoch aufflammt. Eswar eine Konkurrenz, welcher Ort es höher hatte. Stundenlang haben sie Kränze ge-flochten. Ein Wipfel( Baum mit daran belassenem Wipfel) war in der Mitte vom Krias,und von dem zu den anderen Bäumen wurden Margeriten- Girlanden gespannt. Die Buamsind auf die Bam aufigeklettert, so hoch wie möglich dabei. Dann haben sie Steckengehabt und Scheiben über ein Brett abgeschlagen und gesungen, Mailieder und so. DieBuam haben das„ Kränzlradl" gehabt( an einer Schnur aufgereihte Scheiben) und dieRadln abgeschlagen und die Mädeln sind gerennt, Radl holen, und wieder aufgestecktund ins Feuer gehalten. Auch ganze Räder haben sie mit Stroh umflochten und mit Olangeschüttet und herunterrollen gelassen. Auch über das Feuer sind sie gesprungen. AmHaus haben sie überall Blumen an den Balken angesteckt. Zu Shumitn abends, wenn dieHirten heimgegangen sind, haben die Kühe einen Kranz um den Hals herum, die anderenTiere nicht. Am Nachmittag von Johannes hat man Zweigerl vom Palmsonntag auf jedenAcker ausgesteckt und mit Weihwasser besprengt. Zu Shumiten ist auch das Burschen-recht- Zahlen. Wenn man am Abend gebackene Hollerstrauben iẞt, bleibt man das Jahrgesund." 289
Gegenüber dieser Schilderung aus dem Suchener Hochtal am Westrand der Gottscheezeigt das in der Mitte der Sprachinsel gelegene Gebiet südlich der Stadt Gottschee( Grafenfeld, Lienfeld bis Mösel) etliche andere Züge. Vor allem treten die Sonnwend-lieder in den Vordergrund. Das Gedächtnis meiner wichtigsten Gewährsfrau, Frau JosefaMichelitsch, geb. Wolf, geb. 1858 in Grafenfeld, reichte in eine Zeit zurück, die heutebereits mehr als ein Jahrhundert vor unserer liegt.
,, Bei jedem Haus, wo das Mädchen einen Liebhaber gehabt hat, ist ein Baum gestan-den. Das Mädel hat ihn bekränzt mit Tüchl und Blumenstrauß oben. Dabei haben siegesungen:
Shaug ausha, shaug ausha, du schönai mai liabai,
bos heint ischt gebochsn( gewachsen) wor dainda Wenschtrle.
' S ischt et( nicht) aufgebochsn,' s ischt aufgeschtellet,
i bedonk mi, i bedonk mi, du schönai mai liabai,
daß du mai Moie so schean hoscht bekränzet.
Dann ist die Jugend nach dem Dorfplatz gegangen und sie haben die Shumitliedergesungen. Beim Dorfrichter haben sie gesungen: Hoi Richter, gib uns unser Feuer..."
289 Schilderung von Mathilde Rus, geb. 1892 in Suchen, sowie zweier weiterer Gewährs-frauen, die im Gespräch dabei Ergänzungen machten.
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