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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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treibt man zum ersten Mal mit einem Palmzweig aus und besprengt es auch damit. Dendarf man nicht verlieren, man muß ihn in den Stall bringen"( Masereben). Auch kam esvor, daß man sie über Geweihtes schreiten ließ, darunter auch Palmruten.

Die Segenskraft der Palmen spricht sich auch in einer anderen Verwendung aus. InRieg und Stockendorf tat man Palmkätzchen und Geweihtes in ein Säckchen und bandes mit einem Spagat dem Tier auf die Hörner, damit die Hexin ihm nichts tun kann. InLangenton machte man das gleiche, wenn eine Kuh, die ein Kalb gehabt hatte, zum erstenMal wieder auf der Hutweide ist.

2. In der Karwoche

Nicht nur die Karwoche hat im Gedenken an die Leiden Christi eine ernste Stim-mung. In Masereben heißt bereits die Woche vor dem Palmsonntag die schwarzeWoche", die Karwoche nannte man dagegen in der Gottschee, ähnlich wie bei den Serbo-kroaten, die große Woche".

Mit dem Gründonnerstag setzen die Bräuche und Glaubensvorstellungen im ganzenUmfang ein. Wobei wir uns hier nicht mit den kirchlichen Handlungen im engeren Sinnebeschäftigen, sondern mit den Meinungen und Bräuchen des Volkes.

Nach der Aussage von Gewährsleuten in der ganzen Gottschee galt die Regel, daßman vom Morgen des Gründonnerstags an, wenn die Glocken nach Rom fliegen, bis zuihrer Rückkehr am Karsamstag nicht in der Erde arbeiten darf. Dies wird durch eigeneAufzeichnungen aus 28 Orten in allen Bereichen der Gottschee bestätigt. 261 Es bestehennur insofern geringe Unterschiede, als z. B. in Masereben und Stockendorf allein amFreitag das Verbot für Erdarbeiten zu gelten schien. Im grenznahen Langenton betonteman, daß die Slowenen diese Regel nicht beachteten, die haben ruhig gearbeitet". Dochgilt dieswie weitere Erkundigungen zeigen nicht allgemein.

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Das Arbeitsverbot richtete sich in der Gottschee vor allem gegen Erdarbeiten.,, Wenn die Glocken fort sind, die Erde ganz in Ruhe lassen, keinen Kren ausgraben undnichts"( Obergras). Andere Arbeiten konnte man in einem gewissen Ausmaß schonvornehmen, z. B. das Haus putzen und Mehlspeisen machen( Suchen), weißeln, Bäumeputzen oder das alte Holz aus den Weingärten entfernen( Nesseltal, Mairle). In Göttenitzwar auch das Wäschewaschen und Bodenreiben untersagt, am Karfreitag durfte mansogar kein Rind austreiben.

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Der besondere Bedacht auf die Erde bei den Arbeitsverboten wird noch durch einenanderen Brauch unterstrichen, der in der bisherigen Gottscheer Literatur nicht aufscheintund erst in meinen Aufzeichnungen herauskam: In den beiden Zeitpunkten, in denen dieGlocken fortflogen und wiederkamen also das letzte und erste Läuten-, war esüblich, die Erde zu küssen. Ich habe darüber Nachrichten aus zwölf Orten, 262 nur vomSuchener Hochtal und vom Unterland fehlen mir bisher Belege. Dabei gibt es Nach-richten, die nur von dem Augenblick sprechen, in dem die Glocken am Samstag wieder-kehren in Österreich besonders beachtet und als Glorialäuten" bezeichnet-, inHohenegg, Altlag, Hohenberg, Buchberg, Mitterdorf und Seele ist jedoch von beidenZeitpunkten die Rede. Manche Aussagen sind bemerkenswert. In Hohenegg mußte manz. B. dreimal die Erde küssen. In Grafenfeld kniete man im Garten nieder, betete und

261 Masereben, Morobitz, Mösel, Altlag, Hohenberg, Suchen, Mittergras, Masern, Göttenitz,Nesseltal, Verdreng, Mrauen, Unterlag, Stockendorf, Langenton, Unterloschin, Obergras, Reichen-au, Lienfeld, Grafenfeld, Gehag bei Tschermoschnitz, Mairle, Koflern, Kukendorf, Buchberg,Seele, Hohenegg.

262 Unterbuchberg, Hohenegg, Mösel, Grafenfeld, Lienfeld, Seele, Mitterdorf, Hohenberg,Koflern, Kukendorf, Buchberg, Tschermoschnitz.

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