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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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XII. Die Osterbräuche

1. Palmsonntag

Das Osterfest, das älteste und Hauptfest der Christenheit, läßt durch seine Ein-bettung in den Jahreslauf die geschichtliche Auferstehung und das stete Neuwerden derNatur wundervoll zusammenklingen. Das beginnt bereits mit den Bräuchen des Palm-sonntags.

Im Namen dieses Festes spiegelt sich die Rolle, welche seinem besonderen Brauch-gerät zukommt. Beim Nachvollziehen der im Johannesevangelium geschilderten Begrü-Bung des Herrn durch Palmenzweige wandelte sich das pflanzliche Mittel aus einemfestlichen Schmuck zu einem krafterfüllten Segenszweig. Das knüpft sicher an ältere,schon aus der Antike bekannte Vorstellungen des Volkes an und wurde durch die imFrühmittelalter einsetzende kirchliche Segnung der Zweige bekräftigt und erhöht. In derGottschee findet das mannigfachen Ausdruck.

Die für die Palmen benötigten Weidenzweige wurden auch in der Gottschee schoneine Zeit vor dem Feste abgeschnitten, um zu verhindern, daß die Kätzchen weiter aus-treiben. Der ,, Palm" selbst bestand in der Regel aus einem Bündel ziemlich langer Ruten―eineinhalb bis zwei Meter waren keine Seltenheit-, die unten zusammengebundenwurden. Dies geschah meist mit Bändern. Es gab auch Regeln wie sie der Spruch an-deutet: ,, wie größer der Bauer, wie größer der Palm"( Suchen). Vor allem aber bestimmtedie Besitzgröße der Umfang des Bündels. Denn so viele Parzellen Ackerland, so vieleRuten( Langenton). In jeden Acker kam nämlich zu Sonnwend eine Palmrute oder zweiin Kreuzform, die in die Erde gesteckt und oft auch geschmückt wurden. In das Graslandgab man dagegen keine Palmen.

Auch in der Gottschee bestanden die Palmen nicht lediglich aus Weidenzweigen.Hinzu kam Laub von der Haselstaude, das man im Fasching eingefrischt, also vor-gegrünt hatte( Masereben), ferner Wacholder, Efeu und zuweilen auch ein Ölzweig oderanderes Grün. Geschmückt wurden die Palmen mit Blumen, Papierrosen, Büscheln derbei der Musterung tauglich Befundenen und Heiratsbüscheln der Brautführer. Auchseidene Bänder fehlten als Aufputz selten.

In Lienfeld und Grafenfeld mußten die Bündel bis zur Aussaat fest verschnürtbleiben, damit der Segen beisammenbleibt. Sonst allerdings nahm man den Palm bereitswährend der Karwoche auseinander. Man schnitt Stücke von den Ruten ab, spaltete sieund steckte sie zu kleinen Kreuzen ineinander. Diese nagelte man an die Stall- undKellertüren zum Schutze gegen Hexen. Da die früheren nicht entfernt wurden, warmanche Türe in ihrem Oberteil wie besät mit solchen kleinen Kreuzen.

Dieses Annageln geschah an unterschiedlichen Tagen der Karwoche. Es konntebereits am Palmsonntag erfolgen( Tappelwerch, Gehag, Tschermoschnitz, Mitterdorf,Pöllandl, Seele, Unterlag), in einigen Fällen am Gründonnerstag( Langenton, Komutzen,Reichenau, Warmberg), der Haupttag war aber der Karfreitag. 256 Einige wenige Orte

256 Masereben, Hohenegg, Morobitz, Mösel, Lichtenbach, Suchen, Masern, Göttenitz, Tscher-moschnitz, Nesseltal, Oberdeutschau, Rieg, Verdreng, Mrauen, Stockendorf, Mairle, Graflinden,Prerigl, Hohenberg.

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