Die Menge: ,, Bünd nimmr mehr gonz!"
Pfarrer: ,, Hühner hat er gestohlen!"
Die Witwe schrie darauf, es ist nicht wahr, er hat nicht gestohlen!
Und jammerte: ,, Ja mein dr Aute( Alte)!"
Auch die Trauergäste waren gerne dialogisch. In Ebenthal untersuchte zunächst einDoktor den Toten. Dann singt der Pfarrer zur Witwe:
,, Hiascht em an Rindlan gabn,sha war er eppan et geschtoarbn."
Die Witwen singen:
,, I hon ju belt( gewollt) gabn,
ar hot et( nicht) mehr belt nam( nehmen)."
Die Vorwürfe wiederholen sich mit verschiedenen anderen Dingen, sie hätten ihmSpeck geben sollen usf. In Mitterdorf schreit die Witwe:
,, Oh du liabr mein Auter( Alter)!
geschtern hoscht du noch Ganzalein kalotzen, 235
heint hoscht schon eiskalta Protzn!"
In Warmberg war einer schwarz angestrichen wie ein Teufel„ und hat immer miteinem Besen auf den Fasching geschlagen".
Über die Verwendung der Asche nach dem Verbrennen gibt es einige Angaben. InMasereben wurde sie ,, als Andenken mitgenommen", in Ebenthal ,, in alle Winde zer-streut". Gestreut wurde auch in Mösel, Göttenitz und Mairle. Ein fröhliches Fest mitSchmauserei und Tanz schloß sich zuletzt noch an das Faschingbegraben an. Es war seine,, Shimte". Der Ausdruck stammt aus dem wirklichen Totenbrauch, wo sich in der Gott-schee auch ein Gedenkmahl an die Trauerhandlungen anschließt. Vom einst siebentägigenAbstand führt es seinen Namen. Immer wieder wird zum Ausdruck gebracht, daß dasFaschingbegraben unbedingt als Abschluß des Gottscheer Festes gehört. 1953 wurde mirmitgeteilt, daß sie es sogar noch in den Lagern ausgeführt haben.
Die alten Hintergründe schimmern schließlich in einer Aufzeichnung aus Lienfelddurch, die ich 1953 machen konnte:„, Sie haben einen Strohmann gemacht und denWoschong verbrannt. Und einer hat sich als Bettler angezogen, den hat man hinaus-getrieben. Die Armut braucht man nicht im Dorf."
8. Ehelos gebliebene Mädchen
Weitum in der Gottschee erklang das Spottlied auf Mädchen, die wieder nicht unterdie Haube gekommen waren: 236 ,, Woschongtog, Woschongtog, kimmet bolde biedr,Wertn pin i ibrig bliebm, heir a biedr."
Man sang es denen zu, die man necken wollte, in Ebenthal sangen es die Masken amFaschingdienstag bei den Mädchen, die nicht geheiratet haben. In Stockendorf sangensie nicht nur den Vers bei Häusern mit heiratsfähigen Töchtern, sondern schlugen auchmit Häfendeckeln an die Hauswand.
Nicht genug aber mit Spottversen. In Mitterdorf verbrannte man den Strohmannnicht bloß auf einem freien Platz, sondern auch beim Hause eines übriggebliebenenMädchens.„ Der Zorn dieser Person ist groß." In Mairle war eine solche Handlung die
162
235 Den Ausdruck„ kalotzn" verwendet man beim Schwein.236 Der Vers hat Entsprechungen auch im Österreichischen.