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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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in Ebenthal ein schon ausgewachsener Obstbaum nicht trug, legte man zu Fasching einenStein in seine Krone, dann trägt er im nächsten Jahr. In Masern nahm man zu diesemZweck Knochen vom Fleisch, das man zu Fasching gegessen hatte. Eine Vorbedeutunghatte in Mairle schließlich auch das Wetter. Standen zu Fasching viele Sterne am Him-mel, dann legten die Hühner viele Eier.

Im Zusammenhang mit den vielen Fruchtbarkeitsvorstellungen sind wohl auch dieFaschingsbrautpaare unter den Masken zu sehen. 218,, Die Faschingsbraut war immerdabei", sagten sie in Rieg. Dabei ahmten sie nicht selten einen ganzen Hochzeitszug nach.Masern, Göttenitz und Reichenau betonten aber, daß die Brautleute zu den, schönen"Masken gehörten und nicht zu den grotesken. Ob im übrigen der Fasching als so beliebteZeit auch für die wirklichen Hochzeiten bloß dem günstigen Zeitpunkt zuzuschreibenist, wo die Bauern wenig Arbeit haben, und nicht auch eine Beziehung zum allgemeinenGlauben an Gedeihen und Wachstum gerade zu dieser Zeit besitzt, wäre einer Über-legung wert.

6. Andere vorbedeutende Handlungen, Jahresentscheidung

Von Weihnachten kennen wir zahlreiche Heiratsorakel und Handlungen, welchedas zukünftige Geschick erkunden oder bestimmen sollen. In der Gottschee stellen sichdem bemerkenswert viele Gegenstücke in der Faschingszeit zur Seite. Das beginnt schonmit dem Einwässern einer Weidenrute am Faschingstag, die dann am Palmsonntag auf-geblüht sein soll, dann geht der Wunsch in Erfüllung, den man beim Einwässern hatte;ganz ähnlich wie beim Barbarazweig. Zu den Hochzeitswünschen gehört auch der ausMasereben erwähnte Brauch, am Faschingstag drei Rosenkränze zu sprechen und dreiSpulen zu spinnen, dann heiratet man im selben Jahr noch.

Eine besondere Handlung bezieht sich auf die Hühner. Am Faschingstag oder amAschermittwoch werden die Hühner in einem Kreis oder Reifen gefüttert, 219 dannbleiben sie beim Haus und legen die Eier in der Nähe. Außerdem werden sie dann vorRaubvögeln bewahrt. Der Reifen vertritt hier einen magischen Schutzkreis. Dazu seiendrei bezeichnende Mitteilungen im Wortlaut angeführt: Am Aschermittwoch nimmtman, was man zu Fasching gegessen hat und noch übrig ist, und zerbröselt es. Mit demSeil zum Heuführen legt man einen Ring, streut die Brösel hinein und läßt die Hühnerdarin fressen, damit sie nicht weit gehen, legen"( Nesseltal, Oberdeutschau). Am Ascher-mittwoch werden die Hühner aus einem Reifen gefüttert. Gefüttert wurde das, was aufdem Tisch übriggeblieben ist, das hat man zerbröselt. Mit einem Stock hat man einenKreis gemacht( im Sinne des Uhrzeigers) und die Hühner da hinein. Dann bleiben sie zuHause"( Koflern). ,, Am Faschingstag in der Früh hat einer zwei Sensen genommen undein Stück Holz und ist rund um das Haus herum gegangen und hat geklampert. Dakommt im Sommer der Geier nicht und holt die Hühner"( Grodetz. Die Gehrichtungwar dem Gewährsmann nicht mehr erinnerlich). Der Brauch hat im übrigen auch außer-halb der Gottschee viele Gegenstücke, 220 nur der Zeitpunkt wechselt etwas. Im Salz-burgischen schützt man die Hühner vor Raubvögeln durch ein Umkreisen des Hauses mitdem frischgeweihten Palmbuschen, wobei noch ein besonderes ,, Hennagebet" gesprochenwird.

218 Masereben, Ebenthal, Mösel, Altlag, Grafenfeld, Mitter Gras, Masern, Göttenitz, Ko-mutzen, Unterloschin, Reichenau, Rieg, Koflern.

219 Mösel, Nesseltal, Oberdeutschau, Katzendorf, Stockendorf, Koflern, Grodetz, Mitterdorf,Altlag. Verneint wurde das Vorkommen dieses Brauches in Göttenitz, Hinterberg, Tappelwerch,Langenton, Kukendorf und Buchberg.

220 Z. B. Franken, Hessen, Pfalz, Baden, Erzgebirge. A. Wuttke( vgl. Anm. 207), S. 430.

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