bequemer Ersatz für die feste Maske ist. Andererseits wenden sich verschiedene Hand-lungen der Masken an die Mädchen und Frauen in einem ähnlich zu deutenden Sinnewie das Schwärzen in den Pyrenäen. Z. B. das Zuwerfen von Kinderpuppen beimGasteiner Perchtenlauf, wo der Fruchtbarkeitswunsch nicht zu verkennen ist. Auch dasim 7. Abschnitt behandelte Anprangern der menschlichen Unfruchtbarkeit durch dieMasken deutet in die gleiche Richtung.
5. Wachstum und Fruchtbarkeit
Eine in der Sprachinsel, aber auch sonst verbreitete Vorstellung bezieht sich auf dasTanzen im Fasching. Immer wieder heißt es, daß starkes Tanzen oder Hochspringen imTanz das Wachstum beeinflußt. 214 In der Gottschee wird dies vor allem mit dem Ge-deihen der Rüben in Verbindung gebracht. 215,, Für die Rüben ist immer getanzt und ge-sprungen worden, alle sind gehüpft dafür, die Maskierten und die anderen auch. DickeMearlan, Rickla( Runkeln) hat man gesagt beim Tanzen"( Merleinsraut, Gehag).„ JedeBäuerin muß tanzen gehen, sonst wachsen die Rüben nicht. Manche alte Mütter sindschon schwindlig geworden dabei, aber drehen haben sie sich müssen“( Göttenitz). ,, Manmuß fest tanzen, dann gibt es Weißruabn. Auch Schneeballen schmeißen"( Mairle).Wenn sie beim Tanzen hoch springen, gedeiht der Flachs gut"( Reichenau).
دو
In neun Orten sind es die Masken selbst, von denen gesagt wird, daß ihr Tanz dasRübenwachstum fördert. 216 Dabei ist mehrmals ausdrücklich betont, daß die Haus-mutter selbst mit den Masken tanzen muß. Sie ist es ja, unter deren Händen alles gedeihtund auf die sichtlich die Kraft der Maskierten- Verwandelten als Repräsentanten eineranderen Welt übergeht.
Zu den Handlungen, die einst mehr bedeuteten als ein scherzhaftes Arbeitsnach-ahmen, gehört der Pflugumzug. Das zeigt die europäische Verbreitung und zeitliche Tiefedes Brauches. Es ist letztlich eine vorbedeutende Handlung wie so viele in dieser Zeit. Inder Gottschee erzählten sie mir von solchem Vorpflügen aus Altlag und Grafenfeld. DasPflügen machten sie insbesondere, wenn Schnee lag. Vielleicht darf man zu dieserHandlung auch den schon angeführten Bericht aus Altlag stellen:„ Wenn eine Maskegegangen ist und hat ein Stück gekehrt, dann ist der Flachs gut geraten."
Im übrigen gibt es noch ganze Serien von Bräuchen und Glaubensvorstellungen,welche sich auf das künftige Wachstum beziehen. Einer der interessantesten ist das Be-wegen des Saatgutes:„ Zu Fasching, vor die Sonn aufgeht, muß man alles im Keller einbiẞl aufrühren, damit es bewegt wird, den Samen auch. Zu Fasching muß es anfangen"( Merleinsraut und Gehag). In Katzendorf, Schäflein und Hinterberg wurden die für denSamen bestimmten Maiskörner am offensichtlich dafür bedeutsamen Faschingdienstagvon den Kolben abgerieben. In Grodetz erzählten sie mir, daß im Frühjahr die Möhren-samen aus jenem Topf ausgesät wurden, in dem man am Faschingstag das Essen gekochthatte. Von der besonderen Kraft der Speisen an diesem Tag wird der nächste Abschnittnoch berichten. In Stockendorf säte man am Aschermittwoch Möhrensamen, in Maser-eben am Faschingstag Salat. Auch die Kirschbäume wurden an diesem Tag mit Vorliebeveredelt. 217 In Graflinden zog man mit einer Rute einen großen Kreis, damit die Rübengut wachsen. Auch unfruchtbare Obstbäume kann man zu dieser Zeit beeinflussen. Wenn214 Vgl. P. Sartori, Sitte und Brauch, 3. Teil, Leipzig 1914, S. 110 f.; R. Wolfram,Die Volkstänze( vgl. Anm. 137), S. 30, 44, 54 f.
215 Ebenthal, Mösel, Ober Gras, Merleinsraut, Gehag, Göttenitz, Katzendorf, Mrauen, Unter-lag, Neugereut, Stockendorf, Rieg, Komutzen, Reichenau, Mairle, Buchberg, Prerigl, Grodetz.216 Masereben, Gehag bei Merleinsraut, Mrauen, Mösel, Unterlag, Neugereut, Prerigl,Katzendorf.
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217 Das Veredeln der Kirschbäume bei W. Tschinkel, Gottscheer Volkstum, S. 8.