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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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4. Die Masken und ihr Tun

Das Maskentreiben beginnt schon in den Wochen vor dem Faschingshöhepunkt anden einzelnen Donnerstagen. Zuweilen sind es die Kinder, welche beginnen. An den dreieigentlichen Faschingstagen( Sonntag, Montag, Dienstag) treten verschiedene, dem jewei-ligen Tag zugehörige Typen auf. Wir haben zu unterscheiden zwischen dem allgemeinenLauf der meist wüsten und komischen Masken, dem Auftreten der schönen Masken,welche nur von einigen dunklen begleitet und geschützt werden, sowie den mehr schau-betonten Faschingszügen, welche auch andere Ortschaften besuchen. Den Abschluß bildetregelmäßig das Faschingbegraben oder-verbrennen, gewöhnlich am Aschermittwoch.Das Gemeinschaftsfest am nächsten Tag( ,, kleiner Fasching"), bei dem das beim Heische-gang Gesammelte verzehrt wird, beendet die Brauchserie. Inhaltlich wichtig sind vorallem die gleichbleibenden Handlungen, bei denen eine alte Sinngebung durchschimmert,während die Schauumzüge stärker der persönlichen Erfindungskraft und den besonderenUmständen Raum geben.

Das Aussehen der Masken ist im einzelnen offenbar nicht streng festgelegt. Wo keineTiere dargestellt sind, tragen sie gewöhnliche" Masken oder geschwärzte Gesichter, dieTiere dagegen werden mit Holzmasken verkörpert. Der Verkleidungsspielraum bei dengewöhnlichen Masken scheint ziemlich groß zu sein. Vielleicht müßte zu diesem Punktnoch besonders nachgefragt werden. Häufig ist der Gestaltentausch, vor allem Burschenin Weiberkleidern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberkleidern. Vereinzelt wird von Spitzkappen berichtet( Komutzen) oder einemHalsschmuck aus ausgeblasenen Eiern( Merleinsraut, Gehag). Schellen und Kuhglockengehören sichtlich dazu. Vor allem wird mit ihnen zum Abschluß der Fasching ,, ausge-läutet( Obermösel). Das typische Maskeninstrument ist, wie schon erwähnt, der Brumm-topf, aber auch Musikanten sind mit von der Partie. Schon um zum Tanz aufspielen zukönnen, der in den einzelnen Häusern des Gedeihens der Rüben wegen abgehalten wer-den muß. Die Masken haben zum Teil eigene Rufe wie die ,, Roche" in Obermösel. Siesingen auch Spottverse auf die sitzengebliebenen Mädchen. Auch den Masken werdenvon einfachen Tonfolgen getragene Strophen zugerufen, wie das auch in Süddeutschlandüblich ist. Ferner treffen wir auf die scherzhafte Nachahmung liturgischer Gesänge beimFaschingbegraben.

Selten fehlen die weitverbreiteten Faschingsbrautpaare. Auch das Verkleiden alsZigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner ist sehr häufig. Es begründet das Stehlen von Lebensmitteln, in welche Formhier das bekannte Stehlrecht der Masken vor allem gekleidet ist. Im übrigen steht auchin der Gottschee der Heischegang stark im Mittelpunkt, aus dessen Ergebnissen das ab-schließende Gemeinschaftsfest bestritten wird. In Unterloschin geht den Masken einervoraus, der die Stube kehrt, worauf wir im 4. Abschnitt noch zurückkommen.

Verweigert jemand eine Gabe, so drohen die Masken, vor dem Haus des Betreffen-den ein Loch zu graben und den Strohmann dort zu verscharren. Womit dem Knausrigenoffenbar nicht nur Schande, sondern auch Unheil angetan wird. Denn die Dürrgestalt istnicht nur Repräsentant der abgelaufenen Faschingszeit, sondern auch Verkörperung desAlten und Verbrauchten, was der 5. Abschnitt näher ausführen wird.

Auffällig sind auch die Ritte. Zuweilen erscheint die ganze Gruppe zu Pferd undbesucht so die Nachbardörfer, wobei es auch zu Wettritten kommt. Der Berittene beimFaschingbegraben hält zuweilen auch das Rügegericht, das in der Mehrzahl der Fällesonst dem Darsteller des Pfarrers zukommt. Die Züge in andere Dörfer werden im übri-gen meist auf Wagen durchgeführt, die als kleine Schaubühnen hergerichtet sind. Z. B.ist eine Schmiede darauf aufgebaut, Handwerker werden lustig nachgeahmt usf.

Von besonderem Interesse sind die Tiermasken. Unter ihnen finden wir kennzeich-nende Gestalten, wie die Maske mit dem langen Vogelschnabel( Mösel), den Bären( Altlag, Grafenfeld, Rieg), Stiere und Ochsen mit gehörnten Köpfen( Mösel, Grafenfeld,

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